Maria Wintermeyer (Foto: Foto: privat)

Trauer um Maria Wintermeyer

Maria Wintermeyer wurde am 8. Oktober 1911 als zweitältestes von 10 Kindern der Familie Anton Berbüsse in Dalhausen geboren, selbstverständlich zu Hause. In der Volksschule besuchte sie in den ersten Jahren eine reine Mädchenklasse, mit 10 Jahren kamen Jungen dazu; es entstanden also zwei gemischte Klassen. Im Unterricht ging es immer streng zu.Nach der Volksschule musste sie ein Jahr auf ihre Lehrstelle als Schneiderin warten, da noch ein Lehrling in der Ausbildung war. Die Abschlussprüfung konnte sie nicht ablegen, da ihre Ausbilderin noch nicht die Meisterprüfung abgelegt hatte. Nach der zweijährigen Lehrzeit arbeitete sie selbstständig als Schneiderin. Für die Anfertigung eines Kleides bekam sie 6 bis 7 Reichsmark. Wenn sie „bei den Leuten nähte“, erhielt sie pro Tag 2,40 RM. Manche hatten noch keine Nähmaschine. Dann mussten die Leute eben ihre neue Nähmaschine auf dem Handwagen ins Haus holen.Mit dem Korbmacher Franz Wintermeyer war sie einige Jahre befreundet. Aber geheiratet wurde dann ausgerechnet am Tage der „Reichsprogromnacht“, als das neue Haus bezugsfertig war. 1940 wurde die Tochter Irmgard geboren. Ein Jahr später musste ihr Mann in den Krieg und kam erst 1947 aus der französischen Gefangenschaft zurück. Während all der Jahre hatte sie fleißig gespart, sodass sie bereits 1942 die letzte Rate für das Haus bezahlen konnte. Verputzt wurde dieses jedoch mit den ersten DM-Ersparnissen nach der Währungsreform.Ansonsten war das gleiche Jahr sehr bitter, da ihr Sohn wenige Stunden nach der Geburt starb, weil ein junger unerfahrener Arzt den Anforderungen bei der schweren Entbindung nicht gewachsen war.Auch wirtschaftlich war die Zeit nach dem Krieg und der Anfang der fünfziger Jahre nicht einfach. Sie hatte zwei Ziegen, ein Schwein und die Hühner zu versorgen, das Pastorland und eine weitere Wiese zu bearbeiten. Die Hälfte des geschlachteten Schweins musste dann auch noch abgegeben werden. Erst als Vater Franz vom Amt Borgentreich die Genehmigung besorgte, durfte diese zweite Hälfte im eigenen Haushalt konsumiert werden.Nach dem dritten Herzinfarkt starb ihr Mann bereits im Jahre 1977. Danach versorgte sie Haus und Garten weitgehend allein bis zu ihrem 93. Lebensjahr. 1994 war sie nachts gefallen und hatte sich Arm- und Beinbruch zugezogen. Danach lebte sie sechs Jahre bei ihrer Tochter in Paderborn. Mit 96 Jahren hatte sie eine schwere Operation, zu der der Hausarzt feststellte: „Ich kenne keine Patienten, die eine solche Operation überstanden haben.“ Aber Uroma brauchte keine 24 Stunden, um von der Intensivstation herunterzukommen. Ihren 99. Geburtstag konnte sie noch zu Hause im Kreise ihrer Familie feiern. Ihr Kommentar dazu: „So viele Gäste werden nicht noch einmal eingeladen.“Tatsächlich musste sie sich einen Monat später abermals einer schweren Operation unterziehen, von der sie sich körperlich nicht mehr richtig erholen konnte, sodass sie danach in Paderborn ins Pflegeheim umzog. - Wenn man Maria Wintermeyer nun fragte: „Wie kann man so alt werden?“ Antwort: „Keine Pillen, kein Alkohol, kein Eis, kein ...“In den ersten Jahren, als sie in Paderborn lebte, wurde sie hin und wieder gefragt: „Frau Wintermeyer, wo wohnen sie?“ Prompte Antwort: „In Dalhausen.“ Sie ist eine Ur-Dalhäuserin geblieben und hatte ihren Heimatort nie länger als eine Woche verlassen. Wenn man sie bis vor drei Jahren besuchte, war ihre erste Frage stets: „Wie geht es den Kindern?“ (Gemeint waren ihre fünf Urenkel). Die zweite Frage lautete stets: „Was gibt es Neues in Dalhausen?“. Sie hatte absolut kein Verständnis dafür, wenn man keine Neuigkeiten aus Dalhausen berichten konnte. Über viele Jahre wurde sie mit neuen Informationen überwiegend in plattdeutsch u.a. von ihrer Schwester und ihren Schwägerinnen versorgt, mit denen sie regelmäßig telefonierte. Schließlich war sie fast allein.
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