Veröffentlicht am 24.01.2023 12:31, aktualisiert am 26.01.2023 15:10

Erinnerung an Opfer des Nazi-Regimes - elf Stolpersteine in Beverungen verlegt

(v.l.) Bürgermeister Hubertus Grimm, Künstler Gunter Demnig, Nachfahre Silvio Uhlfelder und Stadtheimatpfleger Christoph Reichardt bei den fünf „Stolpersteinen”, die an Salli, Else, Gerda, Ruth und Eva Grünewald erinnern. (Foto: Peter Vössing)
(v.l.) Bürgermeister Hubertus Grimm, Künstler Gunter Demnig, Nachfahre Silvio Uhlfelder und Stadtheimatpfleger Christoph Reichardt bei den fünf „Stolpersteinen”, die an Salli, Else, Gerda, Ruth und Eva Grünewald erinnern. (Foto: Peter Vössing)
(v.l.) Bürgermeister Hubertus Grimm, Künstler Gunter Demnig, Nachfahre Silvio Uhlfelder und Stadtheimatpfleger Christoph Reichardt bei den fünf „Stolpersteinen”, die an Salli, Else, Gerda, Ruth und Eva Grünewald erinnern. (Foto: Peter Vössing)

Bereits zum zweiten Mal fand der Künstler Gunter Demnig den Weg nach Beverungen, um dort Stolpersteine als Gedenken an verfolgte jüdische Bewohner in das Bürgersteinpflaster einzulassen.

Zum Gedenken an die beiden Familien Rosenstein und Grünewald wurden jetzt elf Stolpersteine von dem Kölner Künstler in das Pflaster eingelassen. Sechs Steine erinnern an die Familie Rosenstein, die damals in der Langen Straße 35 wohnte und fünf weitere wurden an der Ecke Lange Straße/Weserstraße, dem Zuhause der Familie Grünewald, verlegt.

Bürgermeister Hubertus Grimm begrüßte bei der Verlegung neben dem Künstler Gunter Demnig die Nachfahren der beiden Familien sowie Stadtheimatpfleger Christoph Reichardt, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, die Geschichte der jüdischen Familien in seiner Stadt aufzuarbeiten. Zudem waren neben zahlreichen Bürgern auch Schüler des Beverunger Gymnasiums mit Schulleiter Benedikt Marpert zur Verlegung der Steine gekommen.

„Wir wollen mit den Stolpersteinen Erinnerungsorte für unsere Mitbürger schaffen, die Opfer der Grausamkeiten des NS-Regimes waren”, erklärte Bürgermeister Hubertus Grimm bei der Begrüßung.

Hans Georg Rosenstein (84), der Sohn von Leopold Rosenstein, einer der drei Überlebenden der Vernichtungslager, zeigte sich bewegt. Für ihn war es schlimm, weil in ihm die Grausamkeiten des Nazi-Regimes wieder in Erinnerung gerufen wurden. Allerdings findet er es gut, dass durch diese Stolpersteine auch das Unrecht anerkannt werde. Schon sein Vater war überzeugt, dass eine Versöhnung möglich werde. Leopold Rosenstein war der letzte Jude, der auf dem jüdischen Friedhof in Beverungen 1961 beerdigt wurde. Neben Leopold Rosenstein wurden auch Stolpersteine für Walter, Albert, Ruth, Käthe und Marion Rosenstein auf dem Gehweg eingesetzt. Hans-Georg Rosenstein hat eine Schulklasse unterstützt, die sich künstlerisch mit dem jüdischen Friedhof befasst hat.

Für Silvio Uhlfelder (71), dem Enkel von Salli und Else Grünewald, die mit ihren Kindern Gerda, Ruth, und Eva nach Argentinien vor dem Unrechtsregime flohen, ist es ebenfalls eine Aufgabe, Erinnerungsarbeit in Schulen zu leisten. Für den Frankfurt lebenden Silvio Uhlfelder ist es ebenfalls ein denkwürdiger Tag, an dem in ihm die Erinnerung an die Grausamkeit der Nazis wieder hochkommt. Auch für seine Familie wurden Steine verlegt. Er sagte in einer Ansprache: „Lassen Sie uns alle und immer wieder gegen Ausgrenzung sein, sei diese aus politischen, religiösen oder rassistischen Gründen, wir müssen uns erheben und diesen keine Entfaltungsmöglichkeit geben.”

Stadtheimatpfleger Christoph Reichardt erinnerte daran, dass Beverungen eine der größten jüdischen Gemeinden im gesamten Hochstift hatte. Zur Zeit der „Machtergreifung” lebten in Beverungen ca. 80 jüdische Mitbürger. Von ihnen ergriffen 24 frühzeitig die Flucht und wanderten nach Frankreich, Holland, Palästina, Südamerika, Afrika und in die USA aus. 41 Menschen starben in den Vernichtungslagern der Nationalsozialisten. Nur drei Überlebten die grausamen Lager.

Der Künstler Gunter Demnig erinnert mit seinen Stolpersteinen an die Opfer der NS-Zeit, indem er vor ihrem letzten selbstgewählten Wohnort Gedenktafeln aus Messing ins Trottoir einlässt. Inzwischen liegen Stolpersteine in 1265 Kommunen Deutschlands und in einundzwanzig Ländern Europas. Im Mai wird der Künstler wohl Stein Nr. 100.000 verlegen. Die Einnahmen aus den Stolpersteinen fließen in eine Stiftung.

„Ein Mensch ist erst vergessen, wenn sein Name vergessen ist”, zitiert Gunter Demnig den Talmud. Mit den Steinen vor den Häusern wird die Erinnerung an die Menschen lebendig, die einst hier wohnten. Auf den Steinen steht geschrieben: Hier wohnte… Ein Stein. Ein Name. Ein Mensch.

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