Sternstunde der Spielzeit, Ernst-Deutsch-Theater in der Stadthalle Beverungen | Beverunger Rundschau

Veröffentlicht am 14.03.2024 11:15

Sternstunde der Spielzeit, Ernst-Deutsch-Theater in der Stadthalle Beverungen

TV-Star Nina Petri (l.) mit Christoph Tomanek, Maria Hartmann und Helen Barke auf der Beverunger Bühne. (Foto: Barbara Siebrecht)
TV-Star Nina Petri (l.) mit Christoph Tomanek, Maria Hartmann und Helen Barke auf der Beverunger Bühne. (Foto: Barbara Siebrecht)
TV-Star Nina Petri (l.) mit Christoph Tomanek, Maria Hartmann und Helen Barke auf der Beverunger Bühne. (Foto: Barbara Siebrecht)
TV-Star Nina Petri (l.) mit Christoph Tomanek, Maria Hartmann und Helen Barke auf der Beverunger Bühne. (Foto: Barbara Siebrecht)
TV-Star Nina Petri (l.) mit Christoph Tomanek, Maria Hartmann und Helen Barke auf der Beverunger Bühne. (Foto: Barbara Siebrecht)

Rund 500 Theaterfreunde erlebten in der Stadthalle Beverungen eine überraschende Sternstunde der aktuellen Spielzeit. Das Stück „Dinge, die ich sicher weiß“ des australischen Autors Andrew Bovell, das am Montag in Beverungen auf der Bühne stand, hätte statt in Melbourne ebenso gut in Merlsheim spielen können. Eigentlich gibt es für das deutsche Theater keinen Grund, sich eines Autors aus Australien zu bedienen, es sei denn es ginge um eine ethnische Thematisierung. Andrew Bovell (61) ist in seiner australischen Heimat seit Jahrzehnten der bekannteste und meistgespielte heimische Gegenwartsautor. Dabei ist Bovell weder sonderlich modern und befasst sich auch nicht mit australischen Anliegen. Er ist ein Autor des klassischen angelsächsisch-europäischen Erzähltheaters in der Tradition eines Arthur Miller.

Eine ganz normale Familie

Es geht um das Psychogramm einer ganz normalen Familie. Das Ehepaar Price hat vier erwachsene Kinder, die alle nicht so richtig los kommen von zuhause. Die älteste Tochter parkt regelmäßig ihre Kinder bei der Oma und der älteste Sohn lässt sich immer noch von Mama die Hemden bügeln. Wie in einem Film zeigt Bovell komprimiert den Alltag und die kleinen persönlichen Abgründe dieser Familie.
Rosie, das Nesthäkchen, hat sich auf einer Weltreise in den falschen Mann verliebt. Pip, gespielt von TV-Star Nina Petri, dagegen hat den richtigen Mann, der sich auch rührend um die gemeinsamen Kinder kümmert, doch ihre Liebe zu ihm ist kaputt gegangen. Mark fühlt sich unwohl in seinem Männerkörper, eine Hormonbehandlung soll aus ihm eine Frau machen. Der jüngere Ben, hat die Bank, für die er arbeitet, betrogen, um sich Statussymbole und ein dickes Auto zu leisten, doch nun fliegt sein Betrug auf. Und auch die Eltern Bob und Fran haben ihre ganz eigenen Leichen im Keller.

Beziehungsgeflecht

Alles nichts Besonderes, lässliche Sünden aus dem Alltag von Familien westlicher Wohlstandsgesellschaften, die sich aber aus der familiären Innenansicht zur großen Katastrophe auswachsen. Was die Autorenkunst von Bovell aber vor allem auszeichnet, ist die Story hinter der Story.
Familientherapeut Bert Hellinger hätte an dieser Familienchronik seine helle Freude, denn Bovell gelingt eine Familienaufstellung par excellence, ohne dass er dafür eine einzige Fachvokabel bemühen müsste. Dreh- und Angelpunkt dieser Familie ist die dominante Mutter an deren Seite ein schwacher Vater steht. Die älteste Tochter wird vom Vater vergöttert, findet vor den strengen Augen der Mutter aber wenig Gnade. Dafür verwöhnt sie ihren erstgeborenen Sohn. Ihm lässt sie alles durchgehen, verteidigt ihn gegen alle Widrigkeiten. Der jüngere Sohn läuft irgendwie unterm Radar, steht nie im Mittelpunkt, allein für das Nesthäkchen, die jüngste Tochter, ist er eine zentrale Bezugsperson. Die jüngste Tochter scheint es vordergründig in die Welt zu ziehen, doch vor allem zieht es sie immer wieder in den Schoß der Familie zurück.All diese feinen Äderchen in dem komplizierten Geflecht einer scheinbar durchschnittlichen Familie breitet Bovell präzise wie ein Gefäßchirurg vor den Augen des Publikums aus.

Erfolgsstück auch in Beverungen

Bis vor kurzem war dieser Meister der psychologischen Erzählung in Deutschland weitgehend unbekannt. Das Hamburger Ernst-Deutsch-Theater hat vor drei Jahren erstmals überhaupt „Dinge, die ich sicher weiß“, für die Tourneebühne eingerichtet und feiert seither sensationelle Erfolge. Auch in Beverungen wusste die Inszenierung mit Nina Petri als Tochter „Pip“ restlos zu überzeugen.

Weiter geht´s mit Kochen und Gesang

Im Theaterprogramm der Kulturgemeinschaft Beverungen geht es am Dienstag, 9. April, mit einer musikalischen Komödie weiter. Um 20. Uhr steht dann mit „Pasta e Basta“ ein italienischer Liederabend rund ums Kochen auf der Bühne der Beverunger Stadthalle. Auch ein örtlicher Koch wird an dem Abend mitwirken. Weiter Infos im Netz (kulturgemeinschaft-beverungen.de) und im Kulturbüro Beverungen unter Tel. 0 52 73 - 392 223.

north