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Insekten eine Heimat geben

Wildbienenschutz im eigenen Garten

Von Barbara Siebrecht
Beverungen – Von Naturschützern wird ein Rückgang der Insektenvielfalt und Anzahl seit Jahren beobachtet. Insekten sind als Bestäuber von Blüten und als Nahrung für Vögel, Amphibien und Kleinsäuger wichtiger Bestandteil der Nahrungskette von Menschen und Tieren. Zu ihrem Schutz kann jeder Haus- und Gartenbesitzer beitragen.

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Wildbienen und Hummel lieben Lungenkraut.

© Foto: Siebrecht

Der Verlust von Futterpflanzen und Lebensräumen für Insekten findet bei landwirtschaftlich genutzten Flächen, im öffentlichen Raum und im Privatgarten statt. Der Gipfel der Entwicklung sind die mit Schotter und Kies gemulchten, ehemaligen Vorgärten und Außenbereiche von Gewerbebetrieben und öffentlichen Bauten. Wo früher noch Bodendecker und Laubgehölze mit Blüten und Früchten wuchsen, bestimmen heute ökologisch bedeutungslose Kiesflächen und immergrüne, streng geschnittene Ziergehölze das Bild. Hier zieht keine Amsel einen Wurm aus der Erde und keine Wildbiene findet Pollen oder Nektar.

Auch gärtnerische Gestaltungsleistung wird offensichtlich nicht mehr geschätzt. Es ist legitim geworden, Gärten nur als kosten- und arbeitsintensive Belastung zu sehen und ihre Erholungsfunktion und ihren Beitrag zum Kleinklima und zur ökologischen Vielfalt zu übersehen. Einst ansprechende, bunte Straßenzüge sind heute vielfach durch einfarbiges Steingrau geprägt.
Zum scheinbaren Idealbild des neuen Gartens, in dem die Ordnung dominiert, trägt auch der zunehmende Maschineneinsatz bei. Mähroboter arbeiten unablässig und halten den Rasen kurz. Blühende Pflanzen im Rasen wie Klee, Wiesenschaumkraut, Gundermann oder Gänseblümchen haben keine Chance mehr im Rasen zur Blüten zu kommen. Mit Laubsaugern wird dröhnend auch noch das letzte Blatt unter der Hecke weggeholt und gehäckselt unter dem Insekten im Winter Schutz gefunden hätten.

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Fetthenne blüht im August/September und wird von Insekten reichlich besucht.

© Foto: Siebrecht


Etwas mehr Mut zum Gärtnern, zum Pflanzen, Anlegen und Wachsen lassen, könnte öffentliche und private Flächen ökologisch wertvoller machen und Insekten wieder Futter und Lebensraum bieten. Besonders wertvoll für blütenbesuchende Insekten wie Bienen, Schmetterling und Schwebfliegen sind spät blühende Gartenpflanzen, weil der Mangel an Blüten insbesondere nach der Rapsblüte und Blüte der Obstbäume ab Juni auftritt. Wer Insekten helfen will, sollte auf ungefüllte Blüten achten, die mehr Pollen und Nektar enthalten. Insektenmagnete für den Wasserrand sind zum Beispiel das Mädesüß und der Wasserdost, im Staudengarten sind neben vielen anderen Glockenblumen, Lupine, Hohe Fetthenne, Kugeldistel und Asternarten spät blühende Blumen, die nicht viel Pflege brauchen. Auch Wildpflanzen wie Rainfarn, Wiesenmargerite oder Schafgarbe gedeihen im Staudenbeet. Kräuter und Duftpflanzen wie Lavendel, Thymian, Pfefferminze, Salbei, Ringelblume und Borretsch werden gerne von Insekten angenommen. Im Sommer blühende Ziergehölze wie Rosen, der rotblättrige Holunder oder der Schmetterlingsstrauch werden von Insekten eifrig besucht. Wer den seltenen Schwalbenschwanz im eigenen Garten sehen möchte, kann ihn mit den Futterpflanzen für seine Raupen, dem Fenchel oder der Wilden Möhre anlocken. Je artenreicher der Garten angelegt ist, desto größer wird die Insektenvielfalt sein, an der sich der Besitzer freuen kann.
Seit einigen Jahren unterstützt Beverungen Marketing eine bunte und summende Stadt mit dem Angebot der Saatgutmischung „Beverunger Blütentraum“. Die Mischung von 46 ein- und zweijährigen Blumen und Gräsern kann ab Ende April in Beete oder Kübel gesät werden und reicht pro Tütchen für etwa 6 Quadratmeter. Die Mischung wird beim Blumenhaus Frischemeyer, beim Raiffeisenmarkt, im Servicecenter, in der Lesbar und im Bettenhaus Schübeler ab Mitte April erhältlich sein. Im Winter sterben die Pflanzen der Mischung überwiegend ab und die Pflanzenreste sollten im Frühjahr entfernt werden. Dann kann die Fläche neu eingesät werden.
Wer dauerhaft eine Blumenwiese anlegen möchte, findet im Handel auch Mischungen mit Wildstauden, die jedes Jahr neu austreiben. Für die Anlage muss die Grasnarbe entfernt und der Boden mit Sand abgemagert werden. Eine Blumenwiese muss mindestens einmal im Jahr (Mitte Juli bis Ende August) mit Sense oder Freischneider gemäht und sollte sonst nicht betreten werden. Die abgeschnittenen Pflanzen müssen entfernt werden.
Ganz wichtig ist es, Wildbienen auch Nistmöglichkeiten zu bieten. Die überwiegend einzeln lebenden Wildbienen sind harmlos und legen ihre Eier in hohle Pflanzenstängel, Löchern im Holz, in Erdlöchern oder Sandflächen ab. Für ihre Bruthöhlen ist ein unbewachsener Haufen mit sandiger Erde in vollsonniger Lage, einige Bohrlöchern in abgelagertem, unbehandelten Holzpfählen, aufrecht stehende, trockene und hohle Zweige (z.B. Brombeerranken) oder Löcher und Ritzen in Mauerwerk ideal. Jede Wildbienenart nutzt spezielle „Wohnangebote“. Die im Handel angebotenen Nisthilfen für Wildbienen sind leider zum Teil ungeeignet. Lochziegel haben nach Empfehlungen des NABU zu große Löcher und werden nicht besiedelt. Bohrlöcher sollten nicht im Querschnitt des Holzes sondern im Längsholz gebohrt werden und dürfen nicht zu eng nebeneinander liegen, da sonst Risse im Holz entstehen. Schädlich sind leider auch Niströhren aus Glas oder Plastik, da die Brut darin verschimmelt. Die meisten Wildbienen schlüpfen erst im folgenden Frühjahr, deshalb muss die Nisthilfe auch im Winter an ihrem möglichst trockenen Platz bleiben.

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