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Wildtiere in Garten und Haus

Waschbär-Alarm

Von Barbara Siebrecht
Beverungen/Wehrden – Nächtliche Geräusche vom Dachboden, abgefressene Erdbeere oder Kirschen und zerwühlte Komposthaufen weisen auf die Anwesenheit von Waschbären im Garten hin. Die nachtaktiven Kleinbären sind Allesfresser und können auf der Suche nach Nahrung oder einem geeigneten Platz zum Schlafen und zur Jungenaufzucht erheblichen Schaden anrichten.

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Der Waschbär sucht auch in Gartenteichen nach Nahrung wie Amphibien, Fischen und Muscheln.

© Foto: Horst Lenzen

Der Waschbär, der gut an seiner dunklen „Augenbinde“ und dem schwarz-weiß-geringelten Schwanz zu erkennen ist, ist sehr geschickt mit seinen Vorderpfoten. Der nachtaktive Allesfresser lebt gerne in Gewässernähe und ernährt sich von Obst, Beeren, Nüsse, Insekten, Amphibien, Nager, Vogeleier, Jungtiere, Muscheln und Krebsen. Als effektiver Nesträuber dezimiert er unter anderem die Bestände zahlreichen Vogelarten, Fledermäusen, Amphibien und Reptilien. Gerne sucht er seine Nahrung im Wasser und betastet sie dort mit den Vorderpfoten, was ihm den Namen Waschbär eingetragen hat. Waschbären leben überwiegend als Einzelgänger, schlafen tagsüber auf Bäumen und werfen einmal im Jahr 2 bis 5 Welpen ab Mai. Waschbären können bis 70 cm lang und 10 kg schwer und bis etwa 10 Jahre alt werden. Im Siedlungsraum verschmähen sie auch Essensreste vom Kompost, Vogelfutter oder Katzenfutter nicht und ist auch schon durch Katzenklappen in Häuser eingedrungen oder in Florida von der Polizei aus einem Snackautomaten befreit worden.
Schäden
Wenn sich Waschbären einen Dachboden oder einen Schuppen als Schlafplatz ausgesucht haben, oder dort ihre Jungen aufziehen wollen, können sie erheblichen Schaden anrichten. Dachziegeln werden angehoben und verschoben, Dachisolierungen werden zerstört und durch Urin und Kot verschmutzt. Der Schaden kann mehrere tausend Euro betragen.
Ausbreitung und Populationsdichte
Das für die Verbreitung des Waschbären in Europa wichtigste Ereignis war das Aussetzen von zwei Waschbär-Paaren am 12. April 1934 am Edersee zur „Bereicherung der heimischen Fauna.“ Von dort wanderten die Tiere in die umliegenden Regionen. Kassel gilt als Hauptstadt der Waschbären mit geschätzt bis zu 100 Tiere pro Quadratkilometer. Die Landkreise Höxter, Kassel und Schwalm-Eder sind mit bis zu 5.000 tot aufgefundenen oder erlegten Tieren pro Jahr (Jahre 2000 bis 2003) nach dem Landkreis Waldeck-Frankenberg am dichtesten besiedelt. Der Ausbruch von Waschbären aus einer Pelz-Farm in Brandenburg 1945 begründete einen zweiten Verbreitungsschwerpunkt an der Müritz östlich von Berlin. Geschätzt leben heute etwa eine halbe Millionen Waschbären in Deutschland. Die Ausbreitung der Tierart geschieht vergleichsweise langsam, da die weiblichen Tiere im Umkreis von wenigen Kilometern sehr ortstreu sind. Die Männchen wandern deutlich weitere Strecken. Der Waschbär ist 2016 in die „Liste der unerwünschten Species“ für die EU aufgenommen worden.
Kein Haustier
Waschbären haben lange Reißzähne und verteidigen sich gegen Angreifer. Sogar Jagdhunde sind bereits Waschbär-Gruppen zum Opfer gefallen. Es ist also stets wichtig, diesen Tieren mit Respekt zu begegnen und sich nicht von der putzigen Gestalt täuschen zu lassen. Auch die Aufzucht von Jungtieren, das Zähmen und das Halten der Tiere in der Wohnung ist nicht zu empfehlen. Auch wenn Jungtiere anfangs friedlich sein mögen, werden sie ab einem gewissen Alter den Menschen als Konkurrenten wahrnehmen und aggressiv versuchen, das Grundstück als ihr eigenes Territorium zu übernehmen.

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Die Kleinbären sind nachtaktiv.

© Foto: Vössing


Natürliche Feinde
In Nordamerika werden die Tiere hauptsächlich von Wölfen und Luchsen gejagt. Die Rückkehr dieser Raubtiere könnte zu einer Verringerung der Population beitragen. Der Uhu kann Jungtiere ergreifen. Der eigentlichen Feind des Waschbärs in Deutschland ist der Mensch, der neben der Jagd auch durch den Straßenverkehr zur Dezimierung des Bestandes beiträgt. Allerdings haben Forschungen gezeigt, dass der Waschbär auf Bejagung mit größeren Würfen reagiert und die Verluste schnell ausgleichen kann. Eine Ausrottung des Neubürgers durch Jagd gilt als unmöglich. Krankheiten wie der Staupe-Virus (ein Verwandter des Masern-Virus) und die Fuchsräude können den Waschbären befallen und zu erheblichen Todeszahlen führen.

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Mit seiner "Zorro"-Maske ist der Waschbär gut zu identifizieren. 

© Horst Lenzen


Jagdrecht
Der Waschbär ist keine geschützte Art, wird aber in der Zeit der Jungenaufzucht in NRW vom 1. März bis 31. August durch die Schonfrist geschützt. Wer einen Waschbären selbst fängt, vergiftet oder tötet, macht sich strafbar. Dies wäre ein Verstoß gegen das Tierschutzgesetz (Tierquälerei und Wilderei) und kann laut Bußgeldkatalog in NRW mit bis zu 5.000 Euro Bußgeld geahndet werden. Sowohl Waschbären als auch Marder unterliegen dem Jagdrecht. Das heißt, nur wer einen Jagdschein beziehungsweise speziellen Fallenschein hat, darf die Tiere fangen und töten. Innerhalb befriedeter Bezirke wie Ortschaften, Gebäuden, Friedhöfen ist die Jagd in aller Regel grundsätzlich untersagt. Hier dürfen Tiere zumeist nur im Rahmen der Schädlingsabwehr gefangen und getötet werden. Haus- und Autobesitzer, die Probleme mit Wildtieren wie Mardern, Füchsen oder Waschbären haben, können sich an den „Marderbeauftragten“ der Kreisjägerschaft, Detlef Dragan, wenden. Dieser verfügt über eine Sondergenehmigung. Er kann Schäden durch Wildtiere begutachten, Lebendfallen aufstellen und in Ausnahmefällen auch im Siedlungsgebiet die Verursacher der Schäden schießen. Bei Bedarf vermittelt das Ordnungsamt der Stadt Beverungen den Kontakt. „Im Frühjahr und Herbst werde ich im Schnitt einmal pro Wochen zu Hilfe gerufen“, berichtete Detlef Dragan, "Marderbeauftragter" in der Stadt Beverungen. Gute Fangerfolge hat er mit rohen Eiern oder Brötchen mit Schokoladencreme als Köder gemacht. 
Krankheitsübertragung
Waschbären können vermutlich über ihren Kot eine Reihe von Infektionskrankheiten und Parasiten übertragen, die für den Menschen und Haustiere gefährlich werden können. Dazu gehört die nachgewiesene, aber seltene Übertragung des Waschbär-Spulwurms auf den Menschen. Aktuell laufen Forschungen eines Teams um Prof. Dr. Sven Klimpel, die die Rolle des Waschbären und des Marderhundes als Reservoir-Wirt für Krankheiten untersuchen, die den Waschbären selbst nicht schaden, aber auf Menschen übertragen werden könnten. Hundehalter sollten ihre Haustiere gegen Staupe impfen lassen, die sich an Exkrementen des Waschbären oder des Fuchses infizieren können. Detlef Dragan empfiehlt dringend, Schäden durch den Waschbären mit Schutzausrüstung wie Handschuhen und Mundschutz zu beseitigen und die Tiere nicht anzufassen.

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Die Wildkamera erwischte diesen Waschbären in einem Garten in Wehrden.

© Foto: Vössing


Vorbeugung und Vergrämung
Jeder kann dazu beitragen, die Lebensbedingungen für Waschbären im Siedlungsgebiet unattraktiver zu gestalten. Verschlossene Komposthaufen, Mülltonnendeckel, die mit Spanngurten festgeklemmt oder großen Steinen beschwert werden, Müllsäcke, die erst kurz vor der Abholung vor die Tür gestellt werden und Lichter mit Bewegungsmelder um das Haus reduzieren das Problem. Futter für Haustiere sollte nicht draußen aufgestellt und Fallobst eingesammelt werden. Im Handel sind auch Elektro-Zäune, die die Tiere durch leichte Stromschläge vom Dach vertreiben können oder Ultraschallgeräte, deren Ton die Tiere nicht mögen. Auch Blitzlicht oder blaues LED-Licht soll Waschbären vertreiben.
Waschbären sind wahre Kletterkünstler und können auch kopfüber klettern, aber eine glatte Fläche durch eine Blechmanschette oder ein Plastikrohr von mindestens einem Meter Breite sollen sie nicht überwinden können. Diese Klettererschwernisse können für Obstbäume, Fallrohre oder den Fuß des Vogelhäuschens eingesetzt werden. Schornsteine können mit Metallgittern gesichert werden. Kletterpflanzen sollten  zurückgeschnitten werden. Ein Überstieg von benachbarten Bäumen sollte verhindert werden.

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