Beverunger Premiere von Michael Mittermeier vor vollem Haus

Von Senffeldern und Hexenhäusern

Von Peter Vössing
Beverungen - Für die Beverunger Kulturgemeinschaft war es eine äußerst erfolgreiche Woche. Nach zwei ausverkauften Storno-Vorstellungen und einem Ohnsorg-Abend mit noch nie da gewesenem Anklang, reihte sich der Besuch des erfolgreichen deutschen Comedian Michael Mittermeier nahtlos in diese Erfolgsoffensive ein.

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Comedian Michale Mittermeier bei seinem ersten Auftritt in Beverungen.

© Foto: Vössing

„Ausverkauftes Haus und dann noch ein äußerst sympathischer und gut aufgelegter Comedian“, konnte Volker Faltin, verantwortlicher Sonderveranstaltungsmanager der Kulturgemeinschaft Beverungen vermelden. „Ihm hat mein 3-Gänge-Menü geschmeckt. Es gab den Klassiker: Tortellini in Tomatensuppe“, verriet der Lauenförder, der schon die größten Stars an die Weser geholt hatte.
Mittermeier fühlte sich wohl in Beverungen und das, obwohl er eigentlich viel Schlimmes aus den Nachrichten von der Region erfahren hatte. Das „Horrorhaus“ aus Höxter-Bosseborn wurde von ihm zum Hexenhaus erklärt und in Anlehnung an die Bibi Blocksberg Hörspiele wurde der Hexspruch „Hex-Hex“ schnell zu „Höx-Höx“ umformuliert. Ein Running Gag, der dem Publikum an diesem Abend noch des Öfteren um die Ohren gehauen wurde.
Im Smoking mit schwarzem T-Shirt betrat der Oberbayer, der seit den 90er Jahren zur Crème de la Crème der deutschen Comedyszene gehört, voller Ehrfurcht die Bühne. Er hatte bei seiner Ankunft die vielen Künstler bemerkt, die schon vor ihm auf der Stadthallen-Bühne standen. „Mensch, Westernhagen war mit seiner Stinker-Tour hier. Ich bin ein großer Fan von ihm. In meiner Jugend war das einer meiner Idole“, verriet der 53-Jährige. Sonst ist Mittermeier ein großer U2-Fan. Bei einem Konzert in München 1987 stand er in der ersten Reihe und erlebte, wie Bono sich auf der Gitarre verspielte und dann das Publikum fragte, ob jemand Gitarre spielen könne. Mittermeier meldete sich und wurde daraufhin auf die Bühne gezogen. Nachdem Bono ihm kurz die drei Akkorde gezeigt hatte, spielte Mittermeier den Song gemeinsam mit ihm. Laut Mittermeier war das Ereignis ausschlaggebend für seine Bühnenkarriere.
Sein mittlerweile 9. Tourprogramm trägt den Titel „Lucky Punch – Die Todes-Wuchtl schlägt zurück“. Dabei erzählte Mittermeier von vielen absurden Ereignissen seines Alltags. Seine Rolle als Nikolaus im müffelnden Bischofsgewand oder einen Halloween-Rundgang mit seiner Tochter, bei dem ein Bewohner sagte: „Mensch, vor unserer Tür steht einer, der sich als Mittermeier verkleidet hat.“. Von seiner 12-jährigen Tochter Lili berichtete Michael Mittermeier an diesem Abend des Öfteren. Er beschrieb die Vorpubertät des Sprösslings, die jeden Versuch seinerseits, lustig zu sein mit einem „Ha, ha, sehr witzig, Papa“ und einem genervten „Puh“ im Keim erstickt.
Der Zuschauer erfuhr während der Performance auch vom Künstler, dass eine „Wuchtl“ ein alter österreichischer Begriff für die perfekt gesetzte Pointe zur richtigen Zeit sei. Quasi eine verbale Escape-Taste, die ihm allerdings in peinlichen Momenten sehr selten einfallen würde. Als Beispiel nannte er eine in der Nase bohrende Business-Frau, die erwischt, das zutage geförderte Ergebnis der Bohrung mit „Das zieht sich“ bezeichnete.
Mit Greta Thunberg und Donald Trump, die eigentlich bei keiner Comedy-Veranstaltung fehlen dürfen, hielt sich der Münchner nicht lange auf. Greta Thunberg mag der bekennende Grün-Wähler und Donald Trump bezeichnete er als Komiker, der sich selber lächerlich mache.
Beim Thema Dschungelcamp angekommen, kam ihm die Idee, dass das „Herauswählen“ eigentlich eine tolle Sache wäre, die man mal im Bundestag anwenden könne.
Er sparte aber auch Themen, die sich mehr in den unteren Körperregionen abspielten, nicht aus und erzählte ausschweifend über Intimrasuren. Auch das sorgte beim Publikum für viele Lacher. Viel Platz nahmen Bruce Lee und Chuck Norris, für ihn die wahren Helden der Leinwand, ein.
Der Stadtmensch durfte an diesem Abend sogar noch etwas lernen. Ihm waren während der Anreise Felder mit hohem grünen Bewuchs mitten im Winter aufgefallen. Das Publikum klärte den Künstler auf und erläuterte ihm, dass es sich dabei um die Zwischenfrucht Senf handele. Mittermeier zeigte sich irritiert, aber erstaunt und kommentierte: „Ach hier wächst der. Ich bin also heute dort gewesen, wo der Senf wächst, Höx-Höx“, sagte er und beendete nach über 2 Stunden ein Programm, das die Zuschauer nach vielen Lachsalven mit ausgiebigem Applaus belohnten.