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Akin-Kultfilm „Soul Kitchen“ als Bühnenfassung

Temporeiche Milieu-Komödie

Von Peter Vössing
Beverungen - Selten wurde die große Bühne der Beverunger in all seiner Breite und Tiefe so ausgenutzt wie bei der Inszenierung einer Theaterfassung des Kultfilms „Soul Kitchen“ durch das Landestheater Detmold.

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Lucia (Kathrin Berg) kümmert sich um den von Schmerzen gepeinigten Besitzer des „Soul Kitchens“, Zinos (Adrian Thomser).

© Foto: Vössing

Regisseur Fatih Akin hatte zusammen mit dem Hauptdarsteller Adam Boudoukos das Drehbuch zu seinem Film „Soul Kitchen verfasst“. Weltpremiere hatte der Streifen bei den 66. Filmfestspielen in Venedig. Dort gewann er den Spezialpreis der Jury und avancierte schnell zum Kultfilm.
Der Film ist eine komödiantische Liebeserklärung an die Stadt Hamburg. Erzählt wird die Geschichte von Zinos, dem Besitzer des Imbisses mit Namen „Soul Kitchen" in Hamburg - Wilhelmsburg. Auf der Speisekarte stehen Tütensuppen, Fertigpizzen und triefende Pommes, zubereitet in einer Küche, die allen Anforderungen der Hygiene mit Teppichen vor der Fritteuse, schlampige Gasanschlüsse etc. trotzt. Zinos bemüht sich redlich, den Laden mit seinen Mitarbeitern über Wasser zu halten. Zu allem Überfluss macht sich seine Freundin auf nach Shanghai und bei der Entsorgung seiner alten Spülmaschine ereilt ihn ein Bandscheibenvorfall. Kaum noch Perspektiven für das Geschäft gibt es, als Finanzamt und Gesundheitsamt auftauchen.

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(v.l.) Als Glücksgriff stellt sich für Zinos (Adrian Thomser) die Anstellung von Koch Shayn (Jürgen Roth) heraus.

© Foto: Vössing


Als Glücksgriff stellt sich dann die Anstellung des messerwerfenden Kochs Shayn heraus, der mit seinen Kochkünsten das „Soul Kitchen“ wieder auf die Spur bringt. Als dann noch eine Band den Imbiss zu Übungszwecken nutzt, avanciert der ehemalige Imbiss sogar zum Szene-Lokal.
Bis sein kleinkrimineller Bruder während seines Freigangs in alte Muster verfällt und ein ehemaliger Schulfreund sich als windiger Immobilienhai mit Vorliebe für das „Soul Kitchen“ entpuppt. Doch Zinos lässt sich von alldem nicht unterkriegen...
Die Inszenierung des Landestheaters Detmold von Sarah Kohrs entpuppt sich als temporeiche Komödie mit Live-Musik. Die Hauptdarsteller wissen in ihren Rollen zu überzeugen. Vor allem Zinos (Adrian Thomser), Bruder Illias (Hubertus Brandt) sowie Neumann (Hartmut Jonas) und Lucia (Kathrin Berg) stellen ihre Rollen gekonnt dar und bringen den subtilen Witz der Überlebenskünstler rüber. Sie vermitteln glaubhaft die Atmosphäre des Hamburger Szene Lokals.
Köstlich auch der Untermieter Sokrates (Henry Klinder), der im Stile von „Schildkröte“ aus der Kultserie „Dittsche“ an der Theke sitzt und immer wieder mit Weisheiten wie beispielsweise „Ist dies schon Wahnsinn, so hat es doch Methode“ (Shakespeare) seinen Senf dazugibt. Gekonnt sind auch die musikalischen Einlagen durch die Band (Andrew Garsden, Arndt Hesse, Johannes Trupp).
Für manchen Zuschauer waren die Anzüglichkeiten - Sokrates präsentierte sein Hinterteil und durch ein Aphrodisiakum gerät eine Party aus dem Ruder - wohl etwas zu derbe, sodass einige von ihnen den Saal verließen. So ganz konnte die Bühnenfassung nicht an den Filmerfolg anknüpfen, sorgte aber dennoch für einen kurzweiligen Theaterabend mit viel Humor bei den ca. 450 Besuchern.

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