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Sekundarschule erinnert an Opfer der Nazis

Schüsse auf die Synagoge

Von Barbara Siebrecht
Beverungen – Mit schlichten Holzfiguren auf einem Tisch stellen die Schülervertreter und SV-Lehrerin Annette Hennemann die 80 jüdischen Mitbürger dar, die in Beverungen zur Zeit der Machtergreifung lebten und unter der Herrschaft der Nationalsozialisten vertrieben oder ermordet wurden. Nur ein einziger, jüdischer Mitbürger, Leopold Rosenstein, kehrte nach dem Krieg nach Beverungen zurück und lebte wieder in seiner Heimat.

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Die Schülervertreterinnen (v. l.) Celina Babbel, Viktoria Böker, Michelle Zmuda, Idona Latifi, Michelle Kussin, SV-Lehrerin Annette Hennemann und an der Technik Len Marunde und Ben Göricke gestalteten die ergreifende Gedenkfeier.

© Foto: Siebrecht

Die Gedenkfeier richtete die SV anlässlich des Gedenktages für die Opfer des Nationalsozialismus am 27. Januar (Befreiung von KZ Ausschwitz) zum wiederholten Male aus. Der Gruppe war es wichtig, die Menschen zum Gedenken an die Opfer und zu Nachdenken über die Vergangenheit anzuregen.
Mit den 80 Figuren, die nach und nach vom Tisch genommen wurden, wurde sehr greifbar welche Bedeutung die jüdische Gemeinde in Beverungen hatte. Die Schülerinnen und Schüler stellten anhand von historischen Bildern auf einer Leinwand und Beschreibungen dar, dass jüdische Geschäfte und Fabriken einen wichtigen Teil der Wirtschaftskraft Beverungens darstellten und die jüdischen Mitbürger Arbeitgeber und ein nicht zu vernachlässigender Teil der Ortsgemeinschaft waren. Die immer stärker werdende Ausgrenzung und Gewalt gegen die Beverunger Juden beschrieben die Jugendlichen, wie den Boykott jüdischer Geschäfte, die Schüsse der SA-Sportschüler von der Burg auf die Synagoge in 1934 und die Zerstörungen in der „Kristallnacht“ 1938, in der die Fenster und die Einrichtung der Synagoge zerstört und das Gebäude beinahe abgebrannt wurde. Die jüdischen Männer wurden misshandelt und in dieser Nacht im Rathaus gefangen gehalten. Mit der Entjudung wurden die jüdischen Fabrikbesitzer und Geschäftsleute enteignet und zu Zwangsarbeit herangezogen.

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Wie die Beverunger Juden, verschwanden auch die Holzfiguren nach und nach.

© Foto: Siebrecht


Die Zuschauer waren ergriffen, wenn die Jugendlichen die Figuren stellvertretend für die jüdischen Mitbürger vom Tisch nahmen, die durch Flucht ins Ausland und schließlich durch Deportation in die Konzentrationslager aus Beverungen verschwanden. Namentlich nannten sie die getöteten Beverunger Mitbürger und zündeten für Jeden ein Teelicht an. Am Ende brannten 41 Teelichter für Menschen wie die vierjährige Mathel Löwenstein oder die 42-jährige Frida Himmelstern. Die Gedenkfeier endete mit dem Lied von Reinhard Mey „Was keiner wagt, das sollt ihr wagen“ und mit der letzten Zeile diese Liedes „wo alles dunkel ist, macht Licht.

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