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Frauen feiern 100 Jahre Frauenwahlrecht

Politisches Frauenfrühstück

Von Barbara Siebrecht
Beverungen – Das Internationale Frauenfrühstück, das die Damen des Internationalen Frauentreffs und die Gleichstellungsbeauftragte seit Jahren gemeinsam ausrichten, fand in der Mensa der Sekundarschule statt und feierte 100 Jahr Frauenwahlrecht. Knapp 70 Frauen waren gekommen und brachten zum Teil selbst zubereitete Speisen für das Buffet mit. Beim Sektempfang wurde jede Frau fotografiert und danach befragt, warum ihr das Frauenwahlrecht wichtig ist.

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Sängerin „Poetless play“, die Gleichstellungsbeauftragte Christiane Klare, Elke Stieghorst vom Internationalen Frauentreff und (vorne) die beiden ersten Frauen im Beverunger Stadtrat: Edeltraut Heistermann und Adele Hachemeyer.

© Foto: Siebrecht

Die Bilder mit den Aussagen der Teilnehmerinnen wurden ausgedruckt und in der Mensa aufgehängt. Eine kleine Überraschung war für die Frauen der Auftritt von Christel Engemann, die sich als Frau der Jahrhundertwende verkleidet hatte und die Situation der damals weitgehend entrechteten Frau darstellten. Frauen wurden durch ihre Väter oder Ehemänner bevormundet, durften keinen Beruf ohne deren Erlaubnis ausüben, keine höhere Schulbildung genießen und ihr Vermögen fiel bei der Heirat dem Mann zu. Bis 1908 galt ein Vereinsverbot für Frauen und der Beruf der Lehrerin, konnte nach der Heirat nicht mehr ausgeübt werden (Lehrerinnen-Zölibat).

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Christel Engemann verkleidete sich als Dame, die um 1900 lebte und berichtet von ihrer Situation als entrechtet und bevormundete Frau.

© Christel Engemann verkleidete sich als Dame, die um 1900 lebte u


Als einziger Mann und in Vertretung des Bürgermeisters sprach Roger von Heynsbergen ein Grußwort. Er ging auf die Geschichte des Frauenwahlrechts ein und machte die Frauen in Verbindung mit der Nazi-Herrschaft darauf aufmerksam: „Auch sicher geglaubte Errungenschaften können wieder verloren gehen“. Er strat für Frauenquoten und gegen das Ehegattensplitting ein und meinte „sexuelle Belästigung darf bei uns keinen Platz haben“.

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Ein Buffet mit vielfältigen Köstlichkeiten hatten die Frauen zusammengestellt.

© Foto: Siebrecht


Christiane Klare und Elke Stieghorst verglichen in ihrer Begrüßungsrede die Situation der Frauen um 1900 mit heute und schockierten das Publikum mit Statistik. Frauen sind insbesondere in der Politik noch unterrepräsentiert. So stehen 2 Landrätinnen in NRW 28 Landräten gegenüber, im Landtag liegt der Frauenanteil bei 27, 6 und im Kreistag in Höxter bei 14 Prozent. Sie forderten die Frauen auf, wählen zu gehen und sich wählen zu lassen, um ihre Lebensumstände mitzugestalten.
Im Rückblick auf 100 Jahre Frauenwahlrecht stellten Frauen des Internationalen Frauentreffs fünf Kämpferinnen für die Gleichstellung der Frau vor, die als Schriftstellerin, Politikerinnen, Verlegerin oder Juristin zur Durchsetzung des Frauenwahlrechts und zur Aufnahme des Gleichstellungsparagraphen ins Grundgesetz beigetragen hatten. Während der Nazi-Herrschaft mussten viele von ihnen dafür Repressalien hinnehmen. Unter den vorgestellten Frauen war auch die Juristin und Abgeordneten Elisabeth Selbert aus Kassel und Marie Jucharz, die Gründerin der AWO.

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„Poetless play“ (Der Dichterin Spiel) bereicherte den Tag mit ihren Balladen.

© Foto: Siebrecht


Ehrengäste des Frauenfrühstücks waren die beiden ersten Frauen im Beverunger Stadtrat, die ab 1975 die Lokalpolitik mitgestalteten. Edeltraud Heistermann (SPD) war 24 Jahre und Adele Hachemeyer (CDU) war 19 Jahre Mitglied des Stadtrates. Beide waren von Männern für ihr Amt vorgeschlagen worden und sind sich heute einig, dass sie das Amt persönlich gefördert und bereichert hat. Sie sind stolz darauf, positive Entwicklungen der Stadt, wie das Gewerbegebiet und die Erhaltung des Schwimmbades mitgetragen zu haben.
Während des Frühstücks hatten die Frauen Gelegenheit miteinander ins Gespräch zu kommen und die Kreativ-Stände von Monika Kortekassa (Tonwaren) und Elena Schneider (Hand- und Bastelarbeiten) anzusehen. Musikalisch wurde das fast vierstündige Programm gerahmt von der Sängerin „Poetless play“, die mit ihren Balladen, deren Texte viel zu sagen hatten, den Frauen gut gefiel. Wie in den Vorjahren trat auch der Chor „Kalinka“ auf und schloss mit seinem Liedvortrag die Veranstaltung.

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