Aufforstung im Stadtwald

Neuer Wald entsteht

Von Barbara Siebrecht
Beverungen – Dass es dem Wald rings um Beverungen schlecht geht, ist nicht zu übersehen. Der Sturm Friederike hat eine Schneise der Verwüstung hinterlassen, der starke Borkenkäferbefall und der fehlende Regen in den letzte drei Jahren hat zum Absterben der Fichten geführt und stresst auch andere Baumarten. Überall ragen trockene Nadelbäume, sogenannte Dürrständer aus dem noch grünen Blätterdach.

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Stadtförster Matthias Wolff in einer Windwurf-Fläche bei Drenke mit mannshohem Beikraut und Holzpoldern, die auf den Abtransport warten.

© Foto: Siebrecht

„Auch die Buchen leiden“, sagt Stadtförster Matthias Wolff und deutet auf die hellen Sonnenflecken auf dem Waldboden unter dem geschlossenen Buchenbestand. Die Buche, die eigentlich einen sehr starken Schattenwurf hat, bildet offensichtlich weniger Laub aus, um ihre Verdunstung geringer zu halten. Die Bodenschichten zwischen 30 und 180 cm Tiefe, in denen die älteren Bäume normalerweise Wasser finden, sind nicht nur im Raum Beverungen ausgetrocknet.
Hoffnung macht, dass in den oberen Bodenschichten offensichtlich noch genug Regen angekommen ist, so dass die jungen Bäume der Aufforstung bisher überleben konnten. „Ich bin sehr zufrieden, etwa 80 Prozent der Jungpflanzen sind grün“, erklärt der Förster, der sich der Aufgabe stellt, auf riesigen Blößen der städtischen Flächen einen neuen Wald entstehen zu lassen.
Nach und nach lässt er Windwurfflächen räumen, Käferholz fällen und das Holz aus den Flächen abfahren. Die große Windwurffläche bei Drenke hat Wolff fräsen lassen. Die Maschine, die 750 PS einsetzen kann, hat Baumstubben, Wurzeln und Äste zerschlagen und eine Fläche hinterlassen, auf der die Forstarbeiter sich bewegen und pflanzen konnten. An anderen Stellen, an denen weniger Wurzelteller senkrecht standen, haben Bagger die Äste auf Wälle zusammengezogen, die dort verrotten sollen. Dazwischen wurden neue Bäume gepflanzt und zum Teil mit Bambusstäben markiert. Gepflanzt wird eine Mischung von Buche, Eiche, Lärche Douglasie und Weißtanne schachbrettartig mit je 150 Pflanzen einer Art je Einheit. Auf besonders trockenen Standorten werden Traubeneiche und Elsbeere verwendet. Die Rolle der Fichte als Bauholz sollen zukünftig Lärche, Douglasie und Tanne übernehmen. Durch den kleinflächigen Wechsel der Baumarten soll Krankheiten und Schädlingen vorgebeugt werden.
Im Februar/März 2020 wurden im Stadtwald 102.000 Jungpflanzen gesetzt, die aus Forstbaumschulen im Umkreis von 200 km kommen. Nun stehen die Forstarbeiter vor der Aufgabe das Beikraut in Schach zu halten, damit die jungen Bäume genug Sonne, Wasser und Nährstoffe haben. Feinde der kleinen Bäume sind Brombeerranken, Waldrebe, Waldgeisblatt, Schlehe und das in diesem Jahr in Massen auftretende Klettenlabkraut. „Das ist mein Albtraum, das Zeug legt sich über die Pflanzen und erstickt sogar Brombeere“, stöhnte der Förster. Mit der Raupenfräse, dem Freischneider und teilweise sogar der Sense gehen die Forstleute gegen die Beikräuter vor und verschaffen den Jungpflanzen schon zum 2. Mal in diesem Jahr wieder Luft.
Knapp die Hälfte der Blößen wurde bisher neu angelegt. Bei Flächen unter einem halben Hektar Größe setzt Matthias Wolff auf Naturverjüngung durch die Samen der umstehenden Bäume. Am Selsberg will er durch „Klumpenpflanzungen“ die spontane Wiederbewaldung ergänzen. Für das kommende Frühjahr plant Wolff weitere Aufforstung, will aber nur so viel anpflanzen, wie auch gepflegt werden kann. Wenn die Bäume etwa zwei Meter hoch sind, sind sie dem größten Beikraut-Druck entwachsen. Bis dahin, etwa 10 Jahre lang, muss gepflegt werden. Eichenjungpflanzungen werden gegattert. Der Zaun soll das Wild fernhalten, das mit Vorliebe die Triebe von jungen Bäumen frisst. Auch die Jäger hat Matthias Wolff gebeten, den Wildbestand niedrig zu halten, damit die jungen Bäume eine Chance haben.
Die Anlage des neuen Waldes ist mit hohen Kosten für die Stadt verbunden. Eigentlich hatte der Stadtförster geplant und schon begonnen im Stadtwald nach und nach die nicht standortgerechte Fichte zu ersetzen und wollte dazu Erlöse aus dem Verkauf des Fichtenholzes verwenden. Leider ist der Preis für Fichtenstammholz nach Käferbefall und Sturm Friederike auf etwa ein Viertel gefallen, dünne Stämme, die nur als Industrieholz verwendbar sind, sind kaum verkäuflich. An einigen Steillagen wie in Dalhausen an der Reithalle und im Tiefental ist es nicht wirtschaftlich, die dünnen, toten Fichten zu ernten. Sie werden nach zwei bis drei Jahren von selbst umfallen und verrotten.
Der neu entstehende Wald wird voraussichtlich den sich verändernden Klimabedingungen besser gewachsen sein. Erfahrungen aus dem Waldprojekt mit Schülern des Gymnasiums am Wandelnsberg und Selsberg (die Rundschau berichtete mehrfach) fließen in die Neuanlage mit ein.