Der landwirtschaftliche Berufsstand trauert um eine herausragende Persönlichkeit.

Nachruf auf Meinolf Michels

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Meinolf Michels starb am 4. März 2019 im Alter von 83 Jahren.

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Kreis Höxter (wrs) - Für seine großen und zukunftsweisenden Verdienste um die westfälisch-lippische Landwirtschaft wurde der langjährige Kreislandwirt von Höxter, Herr Meinolf Michels, mit der Goldenen Plakette der Landwirtschaftskammer Westfalen-Lippe und der Silbernen Schorlemer-Medaille des Westfälisch Lippischen Bauernverbandes ausgezeichnet.
Herr Michels wurde am 2.11.1935 in Großeneder, heute Gemeinde Borgentreich (Kreis Höxter), geboren. Nach der Schule absolvierte er die landwirtschaftliche Ausbildung und besuchte die Landwirtschaftsschule in Warburg. Nach erfolgreichem Abschluss des Schulbesuches übernahm er bereits als 20-jähriger die Betriebsleiterfunktion des elterlichen Hofes, der ihm 1959 im Alter von 
24 Jahren übertragen wurde. Seine ehrenamtliche Karriere begann 1966 mit der Wahl zum Ortslandwirt in Großeneder.
Bereits 6 Jahre später wurde er zum Kreislandwirt gewählt, zunächst im Altkreis Warburg und später nach der kommunalen Neugliederung im Kreis Höxter. Dieses Amt führte er 30 Jahre lang aus. Eine bislang einmalige Zeit.
Um die Aus-, Fort- und Weiterbildung hat er sich besonders in seiner Zeit als Vorsitzender des Vereins landwirtschaftlicher Fachschulabsolventen von 1968 bis 1976 verdient gemacht. Er war Mit-Initiator des Zusammenschlusses der Gemüsebauern der Warburger Börde mit Landwirten aus dem nordrhein-westfälischen Raum zum 1968 gegründeten „Verband der Gemüseanbauer“. Hier war er im Vorstand tätig und wurde 1980 zum Vorsitzenden der Industriegemüseanbauer gewählt.
Eine wichtige Aufgabe für den Berufsstand hat er lange Jahre als Vorsitzender des Ausschusses für Wirtschaftsberatung, der heute Beirat für Unternehmensberatung heißt, in mehr als 25-jähriger Tätigkeit mit großem Fachverstand und Einsatz wahrgenommen. Er hat durch seine Aufgabe als Vorsitzender dieses Gremiums maßgeblich dazu beigetragen, dass die Beratung immer eine wichtige Aufgabe der Landwirtschaftskammer geblieben ist und dass das Beratungsangebot transparent und praxisnah ausgeführt wurde.
Während seiner Zeit als Bundestagsabgeordneter –in sechs Amtsperioden seit 1980- war er darum bemüht, bei Veränderungen der Gesetzeslage als auch der landwirtschaftlichen Förderpolitik, sowie der Ausgleichszahlung im Rahmen der Agrarreform die Belange aus der Praxis zu berücksichtigen. Im Bereich des Tierschutzes, als Obmann im Bundesausschuss, hat er manche Lanze für die Landwirtschaft und deren Tierhaltung brechen müssen.
Herr Michels war vom 14.01.1969 bi 12.12.1979 Vorsitzender des Betriebshilfsdienstes und Maschinenringes Warburg und seit 1980 bis 04.12.1991 stellvertretender Vorsitzender des Betriebshilfsdienstes Warburg. Der praxisnahe Einsatz der Betriebshelferinnen und Betriebshelfer lag ihm sehr am Herzen. In der ersten Zeit hat er selbst oder seine Ehefrau die Betriebshelfer persönlich zu Hause abgeholt und zum Einsatzort gebracht. Die ständige Aufgabenanpassung und neue Ideen, wie Maschinenringeinsätze etc. konnten umgesetzt werden. Als Ideenträger der Maschinenring-einsätze wurde Herr Michels zu Erfahrungsaustauschen bundesweit eingeladen.
Die reibungslose Zusammenführung der Betriebshilfsdienste Warburg und Höxter im Jahre 1994 ist seinem Verdienst zuzuordnen.
Seit dem 06.11.1970 war er stellvertretender Vorsitzender und am 14.11.1980 Vorsitzender des Kuratoriums zur Förderung der Betriebshilfsdienste und Maschinenringe in Westfalen-Lippe.
Die Betriebshilfsdienste und Maschinenringe sind in allen Landkreises vertreten. Während seiner Wahlzeit waren 27 Einrichtungen und 19.700 Mitgliedsbetriebe angeschlossen. Die Leitung des Kuratoriums hatte Herr Michels trotz seiner großen Belastung durch die Bundespolitik bis zum 23.05.1998 inne.
Die Wahl zum Vorsitzenden des Kuratoriums der Landvolkshochschule „Anton Heinen“ erfolgte am 04.06.1973. Die Aktivitäten der Landvolkshochschule werden seit 1972 von Herrn Michels mitbestimmt. Die geistige wie inhaltliche Ausrichtung der Landvolkshochschule auf die Menschen im ländlichen Raum und ganz besonders auf unsere landwirtschaftlichen Familien lag ihm sehr am Herzen. Hervorzuheben ist die jährliche Liborikundgebung. Jährlich fällt die Großkundgebung in die Sommerferien. Seinem persönlichen Einsatz sowie seinem Verhandlungsgeschick ist es zu verdanken, dass stets hochrangige und kompetente Redner gewonnen werden konnten (z. B. Bundeskanzler Kohl, Bundespräsident i. R. Carstens, EU-Kommissar Franz Fischler etc.) Für sein Engagement wurde er mit dem päpstlichen Silversterorden ausgezeichnet.
Die Höhere Landbauschule wurde im Kreis Höxter 1983 – 1996 eingerichtet. Diese Einrichtung im Kreis Höxter hätte es ohne Herrn Michels Engagement nicht gegeben. 318 Schüler, 234 aus dem Kreis Höxter, haben die Höhere Landbauschule als „Staatlich geprüfte Landwirte“ verlassen. Etliche Absolventen legten zusätzlich das Fachabitur ab und erwarben damit die Voraussetzung für ein Studium.
Herrn Michels außerordentlichem Einsatz, seinem großen Engagement sowie seinem politischen Gestaltungswillen –bei dem er stets das Wohl der Menschen in ihrer Heimat im Blick hatte- wurde verdientermaßen mit entsprechenden Auszeichnungen und Ehrungen gewürdigt.

Der landwirtschaftliche Berufsstand und alle mit ihm verbundenen Organisationen und Vereine haben ihm viel zu verdanken und werden ihm ein ehrendes Andenken bewahren.