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Orange Blossom Special 23

Musikalisches Familientreffen mit Hindernissen

Von Peter Vössing
Beverungen - Das Orange Blossom Special (OBS) Musikfestival mutet an wie ein riesiges Familientreffen mit ca. 3.400 Angehörigen. Jedes Jahr treffen sich die Fans des „besten kleinen Open Air Festivals der Welt“ (Rolling Stone Magazin) im Garten des Beverunger Plattenlabels „Glitterhouse Records“ im Grünen Weg.

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„Blind Butcher“

© Foto: Vössing

Man kennt sich, man ist gechillt und man freut sich auf das dreitägige Musikprogramm mit Musik der unterschiedlichsten Genres, vom Singer- Songwriter über den Indie-Folker bis zum Post-Punker. Es gibt Musik zum Dahinschmelzen und zum Headbangen. Kurzum, das Line-Up hat für jeden den passenden Musikstil dabei. Längst gehört das OBS zur Riege der besten Musikfestivals der Republik. Karten gibt es für das Musikereignis des Jahres nur einige Stunden lang, dann ist alles restlos ausverkauft.
Für viele Besucher ist das OBS ein willkommener Anlass drei Tage dem Alltag zu entfliehen.

Büroangestellte und Banker tauschen den gebügelten Anzug oder den Blazer und Rock mit der lässigen Jeans und dem Festival-T-Shirt - in diesem Jahr war übrigens das Shirt mit dem Aufdruck „Beverunger Gartenfreunde“ der Renner - und lassen ein Wochenende die gute Laune auf sich wirken. Mit anderen Worten, das OBS wird zum Balsam für die stressgeplagte Seele.

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„Love A“ waren der Surprise Act.

© Foto: Vössing


Panik kam im Vorfeld auf, als man erfuhr, dass die Glitterhouse Immobilie zur Zwangsversteigerung stand und auch das Nachbargrundstück einen anderen Besitzer bekam. Nach nervenaufreibender Versteigerung konnte Stiewe „die Villa, an der soviel Herzblut für ihn hängt“ sein Eigen nennen und auch das Nachbargrundstück, jetzt sogar noch weiträumiger, wurde mit einem langjährigen Pachtvertrag und damit das OBS auf Jahre hinaus gesichert.

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Aufmerksames Musikpublikum.

© Foto: Vössing


Ganz Beverungen war wieder in das Großereignis einbezogen worden. Boule auf der Boulebahn, Totenkopfschwimmen in der Batze, „Rolling Downhill“ am Wandelnsberg, Yoga auf den Weserwiesen, Sea-Watch Präsentation auf der Eisbahn, Laufrunden in und um Beverungen, ein Reit-Schnupperkurs, Aftershowpartys im Saloon und im Stadtkrug waren einige Programmpunkte, die beim Festivalpublikum sehr gut ankamen.
Das Team um Organisator Rembert Stiewe hatte in diesem Jahr neben ihren normal Aufgaben ungewöhnliche und dramatische Herausforderungen, bei denen es um die Sicherheit der Festivalbesucher ging, zu meistern.

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Sinkane – kurz vor der Evakuierung des Geländes.

© Foto: Vössing


So kam am 1. Festivaltag eine heftige Unwetterfront auf das Festivalgelände zu. „Wir mussten erstmals unser Sicherheitskonzept greifen lassen“, erläuterte Stiewe. So wurde innerhalb kürzester Zeit von Feuerwehr, Rotem Kreuz, Security-Team und OBS-Crew sowohl das gesamte Festivalgelände als auch die Zeltwiese an der Weser evakuiert, bevor das heftige Gewitter eine Gefahr für Leib und Leben werden konnte. „Es hat alles wunderbar geklappt. Das Publikum war unheimlich diszipliniert und ruhig und ließ sich von den Sicherheitsposten ohne Probleme in eine angrenzende Lagerhalle führen. Keiner hat gemurrt und nicht ein Hauch von Panik ist aufgekommen“, lobte Rembert Stiewe seine Festivalgäste. Die Evakuierten vermissten lediglich die Bierbude in der Lagerhalle.

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Auf dem Festivalgelände mussten die Sonnenschirme beim Unwetter gesichert werden.

© Foto: Marion Burmeister


Auch die Feuerwehr war voll des Lobes: „Alles hat zu hundert Prozent geklappt. Wie ein Uhrwerk haben die Zahnräder der einzelnen Institutionen, die an der Evakuierung teilnahmen, ineinander gegriffen.“ Für Rembert Stiewe hatte diese Erfahrung auch etwas Gutes. „Wir wissen jetzt, dass unser Sicherheitskonzept stimmig ist“, sagte der Organisator.
Für die zur Zeit der Unterbrechung aufspielenden Band Sinkane war es natürlich nicht so toll, dass sie ihr Konzert abbrechen mussten. Nur 25 Minuten konnten sie ihr Können zeigen. Für Punk-Rocker Adam Angst ging es nach dem Gewitter normal weiter.

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Reges Treiben auf der Zeltwiese.

© Foto: Vössing


Am Sonntag kam es zu einem größeren Rettungseinsatz für Rettungsdienst und Feuerwehr, als zwei Festivalgäste in ihrem Wohnmobil wegen Gasaustritts bewusstlos gefunden wurde. Aber die große OBS-Familie hat ein gegenseitiges Auge aufeinander und so konnten die beiden gefunden und schlimmeres verhindert werden.
Headliner des Festivalwochenendes waren neben der Post-Punk- und Indie-Rock-Band „Die Nerven“, die seit einiger Zeit bei Glitterhouse unter Vertrag steht und vor einem Jahr mit ihrem Album „Fake“ in den Charts für Furore gesorgt hatte, der schwedische Singer-Songwriter Christian Kjellvander. Aber auch das Züricher Duo Steiner & Madlaina (ebenfalls bei Glitterhouse unter Vertrag), das vor einem Jahr sein Debut beim OBS gab und in diesem Jahr auf sage und schreibe 40 Festivals auftritt, wusste mit seinen Folk und Pop-Stücken zu überzeugen. Lange wurde über den Surprise Act gerätselt. Am Ende stand Jörkk Mechenbier mit seiner Post-Punk-Band Love A auf der Bühne. Ganz großes Kino zeigte am Ende des Musikmarathons die Band Garda aus Dresden mit dem Ensemble Tanderas, einem Streichquartett. Elf Musiker teilten sich dabei die kleine Bühne mit dem charakteristischen Kronleuchter.
Für viele Besucher setzte unmittelbar nach dem Festival der Post-Blues ein. Die Tage bis zum nächsten Pfingstfest werden heruntergezählt, bis es dann wieder heißt: „Welt aus - OBS an!“

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