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Shakespeares „Mittsommernachtstraum“ in der Stadthalle

Mitreißende Inszenierung

Von Peter Vössing
Beverungen – Einen schauspielerischen Hochgenuss bekamen die 600 Zuschauer bei der Inszenierung des „Mittsommernachtstraums“ der TheaterKompagnie Stuttgart in der Beverunger Stadthalle im Rahmen des Abo-Programms der Kulturgemeinschaft zu sehen.

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Handwerker Zettel (Semjon E. Dolmetsch) findet sich im Elfenwald mit Windel und Riesenjoint wieder.

© Foto: Vössing

Ein Shakespeare-Stück schüttelt man nicht mal so eben aus dem Ärmel. Wenn man sich nicht mit ganzem körperlichen Einsatz und schauspielerischer Leidenschaft der Inszenierung widmet, geht das meist schief. Die Aufführung des „Mittsommernachtstraums“ in der Beverunger Stadthalle riss jedenfalls das Publikum mit. Unbändige Spielfreude aller Darsteller und eine gekonnte Inszenierung durch das Intendantenpaar Cornelia und Christian Schlösser waren die Hauptgründe für eine grandiose Aufführung.

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Vorführung der Handwerker.

© Foto: Vössing


Der „Mittsommernachtstraum“ wurde bei dieser Inszenierung in die Gegenwart gelegt. Da tauchte auch im Elfenwald schon mal ein Handy auf oder man summt moderne Schlager vor sich hin. Helena (Mariam Jincharadze) stolzierte im Designerkleid mit Stöckelschuhen durch den Wald und der verwandelte Handwerker Zettel (Semjon E. Dolmetsch) zog an einem Riesenjoint.
Das Bühnenbild bestand aus riesigen weißen Stoffbahnen, die von der Decke hingen und die durch Schleudern und einfache Verdrehungen aus dem Athener Palast einen mystischen Wald entstehen ließen.
Selten wurden die Schüler - die gesamte Oberstufe des Beverunger Gymnasiums war vor Ort - so von der Handlung gepackt. Aufmerksam gingen alle mit. Sie verfolgten den Konflikt der adligen Paare Helena (Mariam Jincharadze) und Demetrius (Lucijan Gudelj) sowie Hermia (Chiara Albrich) und Lysander (Tobis Wagenblaß) genauso wie das intrigante Treiben im Elfenreich mit Elfenkönigin Titania (Cornelia Schlösser), Oberon (Paul Elter) und den wie ein Wirbelwind agierenden Puck (Christopher Wittkopp), der mit seiner Magie für viel Verwirrung sorgt.

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Starke schauspielerische Leistung.

© Foto: Vössing


Die heimlichen Stars des Stücks waren allerdings die Handwerker. Das Publikum kam aus dem Lachen nicht mehr heraus als Peter Squenz (Bernd Köhler) mit seinen einfältigen Kollegen (Zettel (Semjon E. Dolmetsch), Flaut (Frank Deesz), Schnock (Manuel Nehr) und Schlucker (Christoph Daecke) ein Theaterstück im Theaterstück mit dem Titel „Die Sage von Pyramus und Thispe“ einstudierte und vorführte. Die komische Tragödie durch die Handwerker, die mit komödiantischen Höchstleistungen aufwartete, war das Highlight der Inszenierung.
Am Ende des Stückes ist alles gut. Die Liebespaare kommen zusammen und auch im Elfenreich herrscht wieder Ordnung.

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Die Handwerker bei der Probe ihrer „Komischen Tragödie“.

© Foto: Vössing


Für die Schüler war es eine eindrucksvolle Erfahrung, wie man mit klassischen Stücken umgehen kann, damit sie äußerst kurzweilig herüberkommen. Jetzt wird man sicherlich mit ganz anderen Augen an die gelben „Reclam-Hefte“ herangehen und letztlich feststellen, dass die Stücke für die Bühne geschrieben wurden und nicht als langweilige Schmöker gedacht waren.
Die TheaterKompagnieStuttgart (TKS) ist ein professioneller Tourneebetrieb im Verband der deutschsprachigen Inthega-Theater. Im Ensemble der TKS arbeiten Studenten der Fachschaft Schauspiel der TheaterAkademieStuttgart (TAS) mit ihren Dozenten künstlerisch zusammen. Die Schauspielschüler der TAS können dadurch die Arbeitswelt des Theaters an der Seite von erfahrenen Kollegen erfahren. Seit 1998 gastiert die TKS an Stadttheatern und Open-air-Festivals im gesamten deutschsprachigen Raum und der Schweiz. Sie feiert im kommenden Jahr ihr 20-jähriges Bestehen.
In Beverungen hat die TKS jedenfalls eine ausgezeichnete Visitenkarte hinterlassen. Man darf sich sicherlich auf weitere Inszenierungen freuen.

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