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Schäden an Kastanien

Miniermotte etabliert sich

Von Barbara Siebrecht
Beverungen/Kreis Höxter – Immer öfter sind schon im Sommer Kastanienbäume mit brauen Blättern im Ostwestfalen zu beobachten. Seit Mitte der 1980er Jahre hat sich der kleine Falter der Kastanien-Miniermotte, der überwiegende die Blätter der weissblühenden Kastanie befällt, von Südeuropa über ganz Westeuropa ausgebreitet und führt zum vorzeitigen Welken der Blätter.

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Die Larve der Miniermotte lebt zwischen den Blattschichten und zerstört das Blattgewebe.

© Foto: Siebrecht

Das Mottenweibchen der Art Cameraria ohridella legt ab April mehrere dutzend Eier auf der Blattoberseite ab. Die geschlüpften Larven bohren sich einen Weg ins Blattinnere und leben geschützt vor ihren Feinden zwischen den Blattschichten. Die Minen sind zunächst blassgrün und verfärben sich durch das Absterben der Deckschichten dann braun. Hält man das Blatt gegen das Licht, kann man die Larve, die kurz vor der Verpuppung bis zu 7 Millimeter lang ist, gut erkennen. Die Miniermotte, die nach vier Wochen Verpuppung schlüpft, ist etwa einen halben Zentimeter groß und an hellbraun und weiß gestreiften Vorderflügeln zu erkennen. Bei warmem und trockenem Sommer kann die Miniermotte bis zu drei Generationen hervorbringen. Als Puppe überlebt die Kastanien-Miniermotte den Winter versteckt in den Blättern.
Zur Eindämmung des Befalls ist das Einsammeln und Verbrennen oder Entsorgen des Laubes nötig. Im eigenen Garten sollte man das Laub nicht kompostieren, da oft die Temperaturen, die in laienhaft aufgesetzten Komposthaufen bei der Rotte entstehen, zur Abtötung der Larven nicht ausreichen. Alternativ kann das Laub bis Ende Mai in dichten Plastiksäcken gelagert werden, in denen die geschlüpften Motten absterben. Versuche, die Männchen der Miniermotte mit Pheromon-Fallen zu fangen, haben zu einem verminderten Befall geführt, sind aber aufwändig und teuer.
Befallene Bäume sind oft schon von Weitem zu erkennen. Der Befall zeigt sich im unteren Kronenbereich zuerst. Die geschädigten Blätter werden schon im Sommer in Teilen oder in Gänze Braun. Dies führt zu einer Schwächung des Baumes, da er seine Blattmasse zur Produktion von Zuckerverbindungen aus Sonnenenergie, Kohlendioxid und Wasser benötigt. Die Bäume sterben in der Regel auch nach Jahren allein durch den Befall mit Kastanien-Miniermotte nicht ab. Sollte der Baum aber durch andere Faktoren wie Luft- und Wassermangel (wie es zum Beispiel bei Straßenbäumen, deren Wurzelbereich geteert oder gepflastert wurde, der Fall ist) unter zusätzlichem Stress stehen, kann es zum Absterben des Baumes kommen.

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Die welken Blattflächen können keine Photosynthese betreiben.

© Foto: Siebrecht


Ermutigend ist es, das in Österreich Meisen beobachtet wurden, die gelernt haben die Larven der Miniermotte zwischen den Blattschichten zu finden und herauszuspicken. Feinde der Motten sind Wespen und Vögel. Es ist unwahrscheinlich, dass die Kastanien-Miniermotte aus der Region wieder verschwinden wird. Wer eine weiße Rosskastanie pflanzen möchte, muss sich über den verminderten Zier-Wert im Klaren sein. Die rotblühenden Kastanie (Aesculus x carnea) scheint gegen die Kastanien-Miniermotte weitgehend resistent zu sein.

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