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Die Wiedereröffnung der Sekundarschule

Lernen mit Abstand

Von Peter Vössing
Beverungen - Am Beverunger Schulzentrum wurde nach 5-wöchiger Pause der Schulbetrieb wieder aufgenommen. Während die Abiturienten nach Bedarf und eigenem Ermessen wieder in die Schule kommen, ist der Schulunterricht für die 10. Klässler an der Sekundarschule und am Gymnasium, die sich auf ihre Abschlussprüfungen vorbereiten, verpflichtend.

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Die 12-köpfige Lerngruppe von Peter Ruhwedel hält Abstand. Obwohl Ruhwedel der Risikogruppe über 61 Jahre angehört, möchte er helfen, dass seine Schützlinge einen guten Abschluss machen.

© Foto: Vössing

Aller Voraussicht nach sollen ab dem 7. Mai dann weitere Schüler folgen. Dieser Termin wurde kurzfristig von der Schulministerin Gebauer vom 4. auf den 7. Mai verschoben, musste aber noch bestätigt werden Der weitere Weg der Öffnung der Schulen sollte nach dem 30.04.2020 mitgeteilt werden (stand bei Redaktionsschluss aber noch nicht fest – Anm. d. Red.). Die Schulleitungen des Landes werden mit ihren Problemen allein gelassen und werden kurzfristig vor vollendeten Tatsachen gestellt. Anfang Mai soll ein abgestimmter Vorschlag der Ministerpräsidenten mit Kanzlerin Angela Merkel besprochen werden, obwohl bereits am 7. Mai die nächsten Schüler wieder in die Schule kommen sollen. Oder hat sich der Plan wieder geändert? Was wohl am 7. Mai passiert ? Leider ist den Verantwortlichen noch nichts bekannt.
Schon im Vorfeld zur Schulöffnung für die 10. Klässler wurde dem pädagogischen Personal und den Schulträgern kaum Gelegenheit gegeben, sich auf den Neustart vorzubereiten. „Wir hatten drei Tage, um einen Hygieneplan zu ergänzen und zu planen, wie ein angemessener Infektionsschutz aussehen kann. Als Unterstützung bietet das Ministerium für Schule und Bildung lediglich einen Hygieneplan von 2015 an, den die Schulen umschreiben und anpassen sollten. „Hier ist vieles einfach nicht bedacht worden und noch unklar, was beim Kollegium und vor allem auch bei den Eltern und Schülerinnen und Schülern zu Verunsicherungen und Ängsten führte", erklärte Schulleiter Klaus Oppermann.
Ein angemessener Transport der Schülerinnen und Schüler zur Schule mit Abstandsregeln und Maskenpflicht wurde geregelt. Die Reinigung und die zur Verfügungstellung von Seife, Desinfektionsmitteln usw. wurde und wird durch den Träger gewährleistet. „Ich möchte mich an dieser Stelle beim Schulträger, der Stadt Beverungen, für die tolle Unterstützung bedanken. Dieser hat alles erdenklich Mögliche irgendwie geregelt“, findet Oppermann lobende Worte für die Verantwortlichen bei der Stadt Beverungen.

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Regelmäßiges Händewaschen hat oberste Priorität.

© Foto: Vössing


Von den 80 Schülern der Abschlussklasse nehmen bis auf 8 Schüler (Risikogruppe, Pflegebedürftige Angehörige zuhause etc.) alle am regelmäßigen Schulbetrieb teil. Unterrichtet wird in Kleingruppen mit maximal 12 Schülern. Der Aufwand ist immens, auch personell. „Jeder Lehrer macht bald Doppelschichten wenn der nächste Jahrgang zur Schule kommt, das heißt die, die noch da sind, denn viele haben Vorerkrankungen. Sie müssen und haben das Recht, geschützt zu werden und von "zu Hause aus" zu arbeiten. ln meinem Kollegium sind das mal eben 23 von 45 Lehrkräften, die ich nicht einsetzen darf. Wer übernimmt nun weitere Unterrichtsverpflichtungen, denn Reserven gibt es leider nicht“, macht Oppermann das Personalproblem deutlich.
Der Schulalltag ist in Hinsicht auf Abstandsregeln (2 Meter) und Hygienemaßnahmen (regelmäßiges Händewaschen etc.) komplett durchorganisiert. Selbst in den Pausen dürfen die Gruppen nur einzeln den Pausenhof betreten. Sehr stark an der Organisation des Schulalltags war der stellv. Schulleiter Karl-Heinz Göhmann beteiligt.
Das Ende des Schulbetriebs kann allerdings wieder ganz schnell kommen. Sollte bei nur einem Schüler oder Lehrer oder in dessen Haushalt ein Coronafall auftreten, dann sieht sich der Schulleiter, selbstverständlich in Rücksprache mit dem Gesundheitsamt und der Bezirksregierung, gezwungen, die Schule zu schließen.
Die Schülerinnen und Schüler sind jedenfalls froh, wieder in die Schule zu gehen und ihre Mitschüler, auch wenn es nur wenige sind, zu treffen. Die Gruppengrößen halten sie durchaus für vorteilhaft. „In diesen kleinen Gruppen kann der Lehrer viel besser individuell auf unsere Probleme eingehen. Als Vorbereitung für die Prüfungen ist das sehr gut“, sagte einer der Schüler, der die Situation zur Prüfungsvorbereitung schätzt. Es wird an jedem Tag 4 Stunden lang nur in einem der Prüfungsfächer (Deutsch, Englisch Mathe) unterrichtet.
Schulleiter Klaus Oppermann ist skeptisch, wenn er an Erweiterungen der Schulöffnung für weitere Klassen denkt. „Es bereitet mir als Schulleiter ein Gefühl der Unsicherheit, wie ich Schülerinnen und Schüler, deren Eltern und die gesamte Schulfamilie entsprechend schützen kann. Damit stehe ich bestimmt nicht alleine da. So geht es zahlreichen Kolleginnen und Kollegen in meiner Position. Wir stehen in direkter Verantwortung vor Ort. Auch wir wollen möglichst bald wieder zurück in den normalen Schulalltag, aber nicht unter diesen bedenkenswerten Voraussetzungen. Eigentlich müssten tragfähige Konzepte erstellt werden, wie der Unterricht bzw. Schulstart sinnvoll und sicher gelingen kann. Vor allem die Durchführung der Prüfungen muss noch einmal hinterfragt werden", resümiert Oppermann.

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