Das Weser Open Air Wochenende

Kaiser-Mania und Forster-Hype

Von Peter Vössing und Barbara Siebrecht
Beverungen – „Das war eine runde Sache“, da darf sich das Team der Beverunger Kulturgemeinschaft, allen voran Volker Faltin, ruhig einmal selbst auf die Schultern klopfen. Mit zwei großen Open-Air-Konzerten mit ca. 15.000 Besuchern hat der Verein sein 8. Weser Open Air Konzertwochenende der Superlative gestemmt.

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Mark Forster grüßte von der LED-Wand.

© Foto: Siebrecht

Unermüdlich war Volker Faltin (71), quasi Tag und Nacht dafür im Einsatz. Das zehrt an den Kräften. Dennoch war er am Ende überglücklich, dass die Konzerte so reibungslos über die „Bühne“ liefen.
Den Anfang beim Open-Air-Wochenende machte am Freitag Roland Kaiser. Etwa 6.000 Fans aller Altersgruppen des Dinosauriers der Schlagerbranche ließen sich bei „Kaiser-Wetter“ von ihrem Star verzücken. Aus dem gesamten Bundesgebiet waren die Fans an die Weser gereist. Schon gegen Mittag waren die Ersten von ihnen in die malerische „Weser-Arena“ gekommen und sogen die fantastische Atmosphäre im Schatten der neuen Weserbrücke in sich auf. Eine wahrlich gute Werbung für die Region.
Seit ca. 45 Jahren ist Kaiser im Musikbusiness und kann stolz sein auf über 40 Millionen verkaufte Tonträger. Sein Ruhm begann mit der deutschen Coverversion des Oliver Onions Hits „Santa Maria“. 6.000 Kehlen stimmten an der Weser ins „Humm na na, Humm na na…“ mit ein und ließen sich von dem Berliner, der mit bürgerlichem Namen Ronald Keiler heißt, begeistern.
Kaiser ließ ein Feuerwerk seiner besten Hits wie „Joana“, „Dich zu lieben“, „Warum hast du nicht Nein gesagt“, „Ich glaub es geht schon wieder los“, „Manchmal möchte ich schon mit dir“ etc. los. Das Publikum war schier aus dem Häuschen. Dabei hatte Kaiser mit seiner neunköpfigen Band das ganz große Besteck ausgepackt. Es waren, wie bei anderen Schlagerstars üblich, nicht nur Disco-Fox-Rhythmen, sondern durchaus auch rockige und jazzige Einlagen zu hören, was sicherlich den Erfolg des Kultstars in den unterschiedlichsten Altersgruppen ausmacht. Eine tolle Akustik mit einer wunderbar eingestellten Aussteuerung der Beschallungsanlage sorgte für einen uneingeschränkten Musikgenuss. Das Publikum dankte es seinem Idol mit lang anhaltendem Applaus. Nach über zweieinhalb Stunden „Kaiser-Mania“ trat das total geflashte Publikum beschwingt die Heimreise an.
Zum Mark Forster-Konzert am folgenden Abend drohte Regen. Dies hielt die etwa 9.000 Fans nicht ab, die sich mit Capes und Jacken ausgerüstet hatten. Wer einen Schirm mitgebracht hatte, durfte diesen, wie auf Konzerten üblich, nicht mit ins Weser-Open-Air-Stadion mitnehmen. Die Kulturgemeinschaft hatte eine Garderobe aufgebaut, an der Taschen und Schirme verwahrt wurden und nicht wie bei anderen Großveranstaltungen entsorgt werden mussten. Die Tribünen mit Sitzplätzen füllten sich vollständig, im „Golden Circle“ und im Stehplatzbereich vor der Bühne war es angenehm voll als Lutz Rode, von Gitarrist und Keyboarder unterstützt die Zuschauer in Stimmung brachte. Mit seiner rauchigen, schnodderigen, markanten Stimme präsentierte er nachdenkliche Texte in deutscher Sprache.
Mark Forster eroberte ab 20 Uhr die Bühne und die Herzen der Weser Open Air-Gäste. „Leck mich am Arsch seid ihr viele“, staunte der Sänger, der zum ersten Mal in Beverungen auftrat. Unterstützt von seiner Band, die er als „Orchesterchen“ bezeichnete, rockte und rappte der The Voice Kids-Coach das Wesertal gleich zu Beginn mit „Flash mich nochmal“. „Beverungen, geht’s euch guu hut?“ wollte er mit „ja haaa!“ beantwortet wissen und er einigte sich mit dem Publikum auf ein Handzeichen, mit dem er Liebe und Zuneigung versendete und empfing.
Das Publikum, unter dem viele jung Familien mit Kindern waren, war zum Teil stundenlang angereist. Kleine Mädchen hatte Pappschilder mit Fanbotschaften bemalt und Fähnchen aus Blümchenstoff selbst genäht. Für viele Kinder war das Forster-Konzert ein „Erstmals im Leben“–Ereignis und die Nachwuchsfans waren bei dem sympathischen, kinderlieben Sänger gut aufgehoben. Erstaunlich textsicher waren schon die Jüngsten und Forster animierte immer wieder zum Mitsingen. In kürzester Zeit war das Publikum zur Fan-Familie zusammengewachsen, die friedlich miteinander feierte.
Lustig und überraschend war Forsters vermeintlicher Live-Video-Anruf zunächst bei “Stargast“ Paddy Kelly und nachdem dieser aufgelegt hatte bei Rapper Sido. Als Stargast sang Sido dann mit Forster gemeinsam „Danke, Danke“ und das Publikum war von dieser Einlage entzückt.
Bis kurz vor 22 Uhr begeisterten Mark Forster und Band die Zuhörer mit neuen Liedern aus seinem 4. Album „Liebe“ wie „Einmal“ oder „Killer“ und der Sänger bewegte sich dynamisch auf dem Bühnensteg, der ins Publikum ragte. Am Klavier begleitete er sich selbst zu seinen Balladen und sprach mit seinem Lied für seinen Vater „Genau wie du“ vielen aus dem Herzen, die auch nicht gut offen über ihre Gefühle zu ihren Eltern sprechen können. Die Show erreichte gegen 22 Uhr mit seinen größten Hits wie „Au revoir“, „Bauch und Kopf“ und „Chöre“ seinen Höhepunkt und mündete zum Abschied in ein genial zur Musik synchronisiertes Feuerwerk. „So toll hatte ich es mir nicht vorgestellt“, meinte die neunjährige Laura auf dem Nachhauseweg zu ihrer Mutter mit strahlenden, aber müden Augen.