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Ohnsorg-Theater begeistert mit Lustspiel-Klassiker

Herrlich nostalgisches und op Platt!

Von Barbara Siebrecht
Beverungen - Nostalgie pur gab es bei der Deutschlandtournee des Ohnsorg-Theaters mit der Neuinszenierung von Wilfried Wroosts Lustspiel „Ein Mann mit Charakter“ in der Beverunger Stadthalle. Die Kulturgemeinschaft hatte mit der Auswahl dieses Stücks den Geschmack des Publikums getroffen. Über 800 Zuschauer kamen zu dieser am besten besuchten Abo-Veranstaltung der Saison.

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Till Hustler als sturer Bäckermeister Heinrich Hinzpeter wird von seiner Mutter (Heidi Mahler) belehrt.

© Foto: Siebrecht

Mit der ersten Fernsehübertragung am 13. März 1954 wurde das Ohnsorg-Theater schlagartig in ganz Deutschland bekannt. Da blickte das Haus schon auf eine lange Tradition zurück. Am 2. Oktober 1909 spielte die „Gesellschaft für dramatische Kunst“ in Hamburg ihr erstes plattdeutsches Theaterstück. Mit in der Verantwortung war damals schon Richard Ohnsorg, Schauspieler und Intendant, der Namenspatron des Hauses am heutigen Heidi-Kabel-Platz wurde. Beliebt und kassenfüllend waren die Komödien, Lustspiele und Schwänke in niederdeutscher Sprache aber auch Klassiker wie Shakespeares König Lear gab es in der plattdeutschen Version zu sehen.
Der Klassiker des Hamburger Ohnsorg Theaters „Ein Mann mit Charakter“ war vielen im Publikum noch von der Fernsehübertragung von 1997 im Gedächtnis, damals mit der unvergessenen Heidi Kabel in der Rolle der Oma Hinzpeter, die heute ihre Tochter Heidi Mahler spielt. Heidi Mahler (75), Tochter des Intendanten des Ohnsorg-Theaters Hans Mahler stand nach ihre Schauspielausbildung oft gemeinsam mit ihrer Mutter auf der Bühne des Ohnsorg-Theaters und wurde im letzten Jahr zu ihrem 75 Geburtstag zum Ehrenmitglied ernannt. Nicht nur in Hamburg wusste die Charakterdarstellerin in ihre 55-jährigen Bühnenkarriere zu überzeugen und gewann auch die Herzen des Publikums in Beverungen als resolute Oma Dora Hinzpeter, die den jungen Leuten auch kurz vor ihrem 90. Geburtstag noch sagen muss, was sie zu tun haben.

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Genial spielte Stefan Leonard den Bäckergesellen Karl Kröpelin aus Ostpreußen, der sich natürlich in entsprechender Mundart äußert. Eileen Weidel als flotte Bäckerstochter Gisela ist von seinen Avancen überhaupt nicht entzückt.

© Foto: Siebrecht


Ein Brief des verschollenen Sohnes Fritz bringt Aufregung ins Haus, denn dieser kündigt seinen Besuch zum 90. Geburtstag der Mutter an. Damit könnten die Geschehnisse vor der Geburt von Tochter Gisela wieder ans Licht kommen, die bisher erfolgreich totgeschwiegen wurden. Das fürchtet Bäckermeister Heinrich Hinzpeter, der in Wahrheit der Onkel Giselas ist und seit Jahren von deren Mutter getrennt lebt. Außerdem plagen den Bäckermeister Geldsorgen wegen des neuen Ofens und das Töchterchen hat eine Liebschaft ausgerechnet mit einem Steuerprüfer. Doch Hinzpeter ist ein „Mann mit Charakter“ und versucht sturköpfig sein Versprechen an den Bäckergesellen Kröpelin einzuhalten, dem er die Tochter zur Frau geben will. Da schreitet Oma Hinzpeter ein und bringt schlitzohrig und mit klaren Ansagen die Dinge wieder ins Lot. Dabei besteht sie darauf: „meinst du ich bin schon tüddelig, ich bin noch lange nicht tüddelig“ und treibt die Handlung mit ihrem Gehstock mit Silberknauf voran.

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Gisela (Eileen Weidel) und ihr Detlef (Christian Richard Bauer) wären ein glückliches Paar, wenn nur der Vater das erlauben würde.

© Foto: Siebrecht


Das Publikum amüsierte sich köstlich über die verworrene Handlung und die humorvollen Dialoge auf Plattdeutsch. Herrlich grimmig konnte Till Hustler als Bäckermeister in Nöten blicken, Lehrling Peter Hinz, alias Lara Maria Wichels brachte mit frechen Sprüchen Vergnügen und Stefan Leonhard verkörperte unnachahmlich den unbeholfenen Bäckergesellen aus Ostpreußen. Zur Nostalgie trugen auch die aufwändige Kulisse mit Telefon mit Wählscheibe und Kostüme wie in den 70er Jahren bei. „Das war wirklich toll“, war sich das Publikum einig und bedachte die Schauspieltruppe aus dem hohen Norden mit ausgiebigem Applaus.

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