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Die kleine Ida wollte ganz schnell auf die Welt

Hausgeburt ohne Arzt und Hebamme

Von Peter Vössing
Beverungen – Stefanie und Sebastian Kübler sind noch total überwältigt, wenn sie über die Umstände der Geburt ihrer Tochter Ida Mathea berichten. Was sich da im Hause Kübler am Kapellenberg in Beverungen zugetragen hatte, war schon außergewöhnlich.

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Stefanie und Sebastian Kübler mit Tochter Ella und dem jüngsten Spross Ida. Sie hatte es besonders eilig, auf die Welt zu kommen.

© Foto: Sebastian Kübler

Klein-Ida konnte es kaum abwarten, auf die Welt zu kommen. „Alles begann eigentlich ganz entspannt“, erklärte Sebastian Kübler. Tochter Ella (knappe 2 Jahre) wollte des Nachts gegen 2 Uhr zu Mama und Papa ins Bett. Gegen 3 Uhr bemerkte Stefanie erste Anzeichen von Wehen. „Ich habe mir dabei aber keine Sorgen gemacht, hatte ich doch ein paar Tage vorher schon ähnliche Senkwehen verspürt“, erklärte Stefanie Kübler.
Gegen 4:15 Uhr kamen die Wehen in kürzeren Abständen und das schwerere Atmen weckte schließlich den Vater, der daraufhin die Zeit zwischen den Wehen stoppte. Mittlerweile war es halb fünf. Laut Stoppuhr kamen die Wehen schon im 2 Minuten-Abstand – eigentlich bereits zu spät, um die minimum 25minütige Fahrt ins Krankenhaus Holzminden zu schaffen. Trotzdem beschloss Sebastian Kübler ein schnelles Frühstück und Tochter Ella fertig zu machen, um sie zu den Großeltern zu bringen. „Die war mittlerweile schon ganz aufgelöst und konnte sich gar nicht erklären, was mit der Mama los war“, erinnert sich der Vater. Immer wieder lief das kleine Mädchen zu ihrer Mutter, um sich zu vergewissern, dass es ihr gut geht und sie liebevoll zu streicheln. „Alles gut mein Schatz, das Baby kommt bald,“ beruhigte sie die Mama.
„Zwischenzeitlich war aber schon die Fruchtblase geplatzt. Jetzt wurde es ernst, an eine Fahrt ins Krankenhaus mit dem Auto war nicht mehr zu denken. Ich habe meine Eltern angerufen, dass ich es voraussichtlich nicht mehr schaffen würde unsere Tochter Ella zu bringen. Sie sollten sich schnellst möglichst zu uns auf den Weg machen. Dann versuchte ich, unsere Hebamme zu erreichen – da diese aber nicht in Bereitschaft war, leider ohne Erfolg. Schließlich wählte ich um 5.10 Uhr den Notruf und öffnete Haus und Hof. Die Großeltern Ilona und Ferdinand trafen ein und kümmerten sich um die angehende große Schwester. Nur 5 Minuten nach dem Anruf waren die Rettungssanitäter da, die eigentlich die junge Mutter ins Krankenhaus transportieren wollten… aber da war die Geburt schon in vollem Gange,“ berichtete Sebastian Kübler über die spannenden Vorgänge.
Im Vorfeld der Geburt hatten sich die beiden Gedanken über eine Hausgeburt gemacht. Da in Corona-Zeiten ja viele Schwierigkeiten für die werdenden Eltern zu erwarten waren. Beispielsweise war es in manchen Krankenhäusern sogar verboten, dass der Vater bei der Geburt dabei war. Aber eine Geburt ohne Vater war für Stefanie Kübler keine Option. „Ich hatte mir immer schon eine Hausgeburt gewünscht, doch aus Sicherheitsgründen wollten wir doch ins Krankenhaus fahren und ambulant entbinden. Wir waren uns sicher, dass wir auch rechtzeitig losfahren würden – waren wir doch nach der ersten Geburt gewarnt, dass es sehr schnell gehen kann – doch wer hätte gedacht, dass unsere kleine Ida wohl doch lieber bei uns zu Hause auf die Welt kommen wollte“, verriet Stefanie Kübler.
Dass man sich über eine Hausgeburt informierte, zB. mittels Podcasts, Büchern und Youtube, stellte sich am Ende als Glücksfall heraus, zumal in Corona-Zeiten auch keine Geburtsvorbereitungskurse stattfinden.
Die Rettungssanitäter hatten keine praktischen Erfahrungen mit Geburten, konnten allerdings Rettungsmaßnahmen einleiten, wenn etwas schief gehen würde und so fungierte Vater Sebastian, der mittlerweile schon sämtliche Handtücher des Hauses herangeschleppt hatte, als Geburtshelfer. „Das Kind wird in zwei Schritten geboren: Nach einer Wehe ist das Köpfchen zu sehen. Ich prüfte, dass die Nabelschnur nicht um den Hals liegt. Alles war gut. Mit der nächsten Wehe dreht sich der kleine Körper um 90°, sodass die Schultern durch den Geburtskanal passen, und das Kind wird geboren. Als ich den kleinen flutschigen Körper in den Händen hielt, begann Ida lauthals ihr Erscheinen auf dieser Welt kund zu tun. Durch die Beine der Mama, reichte ich das kleine Wesen nach vorne, wo Stefanie es sich sogleich wärmend auf dem Bauch legte“, erzählte der immer noch überwältigte Vater.
Dann kam der Notarzt. Der sah, dass alles in Ordnung war und, nach dem Auspulsieren der Nabelschnur, durfte der stolze Vater diese mit sterilem Werkzeug durchtrennen. Der Notarzt übernahm gerne die Aufgabe, die Hebamme zu benachrichtigen, die dann kam und die Nachsorge von Mutter und Kind sicherstellte. Mit der sogenannten U1 wurden Maße und Gewicht des Kindes (3790g, 51 cm) festgestellt. Einer der beiden Rettungssanitäter hatte sich zum Glück die Geburtszeit gemerkt: um 5.22 Uhr, zwölf Minuten nachdem Sebastian Kübler Rettungsdienst und Notarzt alarmierte, war die kleine Ida auf der Welt. Am selben Tag ging es dann noch ins Krankenhaus zur Nachversorgung der Mutter.
Ida Mathea ist ein gesundes Mädchen, das für einige Aufregung im Hause Kübler gesorgt hatte. „Ich habe am Abend auf den Schrittzähler meines Handys geschaut, das ich die ganze Zeit in der Tasche hatte. Das war schon ein halbes Schützenfest was da an Schritten zusammenkam. Ich weiß gar nicht mehr, wie oft ich im Haus hin und her und die Treppe rauf und runter gerannt bin“, erzählte der Offizier des Beverunger Schützenvereins, der sich darüber freut, dass im Ausweis seiner Tochter in Zukunft Beverungen als Geburtsort stehen wird. Nebenbei merkt Sebastian Kübler an, dass seine erste Tochter ihren Geburtstag alle zwei Jahre zum Schützenfest feiert.
„Unsere Ida hatte es so eilig den Sonnenaufgang (5.33 Uhr) über Beverungen mitzubekommen. Das hast du ganz wunderbar gemacht, lieber kleiner Schatz. Wir sind stolz auf dich und können stolz auf uns sein. Ganz egal wo eine Geburt stattfindet; im Kreißsaal, im Auto oder im eigenen Badezimmer – es ist immer etwas ganz Besonderes und Wundervolles. Unendlich dankbar bin ich meinem Mann, der den tollsten Job gemacht hat und unsere kleine Ida auf die Welt gebracht hat“, erklärte die junge Mutter abschließend und schaut dabei gerührt in die Wiege mit der schlafenden kleinen Ida Mathea.

 

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