B├╝rgerinitiative warnt vor Gefahr durch Hochwasser

Gelbe Tonnen treiben in der Weser

Von Barbara Siebrecht
Beverungen – Die Bürgerinitiative Lebenswertes Bördeland und Diemeltal, Arbeitskreis Würgassen, hat mit einer plakativen Aktion auf die Gefahr durch extremes Hochwasser aufmerksam gemacht, die das geplante Bereitstellungslager/Zwischenlager für schwach und mittelradioaktiven Müll bei Würgassen beschädigen könnte.

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Die Bürgerinitiative ließ gelbe, strahlend eleuchtete Tonnen zu Wasser um auf die Gefahr durch Hochwasser aufmerksam zu machen.

© Foto: Siebrecht

Die Aktivisten ließen 40 gelbe Tonnen mit dem Warnzeichen „radioaktiv“ und dem schwarzen W für Widerstand an Angelschnüren gesichert am Bootshaus auf der Weser schwimmen. „Seit der Flutkatastrophe im Ahrtal steht uns allen vor Augen, was möglich sein kann“, machten die Aktivisten deutlich und forderten ein neues, transparentes, Verfahren zur Standortsuche, „das einem Rechtsstaat würdig ist.“
Heinrich Wenisch, der Ideengeber der Aktion möchte nicht nur die Politik sondern auch die flussabwärts liegenden Orte auf die Gefahr aufmerksam machen und aufrütteln, dass bei einem extremen Hochwasser die Fässer mit radioaktivem Müll mit 6 km/h auf sie zutreiben könnten.
Auch erinnerten die BI an die Bilder von im Wasser verrottenden Atommüllfässern im Schacht der Asse. Dort soll ebenfalls ein Zwischenlager für die Rückholung der Fässer entstehen. Die Bürgerinitiative Bördeland fordert für das geplante Logistiklager in Würgassen einen ebenso detaillierten Bewertungskatalog zur Standortfindung wie für das Zwischenlager in Salzgitter. „Die Standortwahl für das ZBL Würgassen basiert letztendlich auf den 2 fragwürdigen und noch dazu willkürlich gewichteten Kriterien „Abstand der Straßenkilometer zu Schacht Konrad“ sowie „Abstand bis zum nächsten „aktiven“ Gleis“. Eine Erklärung für die Auswahl ausgerechnet dieser Kriterien, erfolgte nicht“, empörte sich Edith Götz.
Der unabhängige Geologe Dr. Klaus Schubert erläuterte die naturräumlichen Gegebenheiten, die seiner Ansicht nach dringend bei der Wahl des Standorte berücksichtig werden müssten. Er machte einerseits auf die Möglichkeit eines Erdfalls oder einer Bergsenkung aufmerksam, die durch das Auflösen von Salzgestein im Untergrund nicht auszuschließen seien. Dass diese Lösungsprozesse in der Nähe stattfinden, sei klar, da für die Wesertherme dieses Solewasser gefördert würde.
Außerdem würde nicht genügend berücksichtigt, dass bei Bohrungen durch die BGZ (Gesellschaft für Zwischenlagerung) am geplanten Standort der riesigen Halle Hochflutlehme zu Tage kamen. Diese Lehmschichten wurden durch Hochwässer im Wesertal abgelagert und belegen, dass es in der Vergangenheit am geplanten Standort Hochwässer gab. Die BGZ plant, der Hochwassergefahr mit einer Aufschüttung von 50 000 m³ Erde zu begegnen. Diese Aufschüttung müsste aber als erhöhter, bautechnischer Aufwand als negativer Aspekt in die Bewertung des Standorts eingehen, analog den Bewertungskriterien für das Zwischenlager der Asse.
„Eindeutig widerlegt wird die Behauptung der Hochwasserfreiheit des geplanten Standorts Würgassen durch den Wortlaut des Aktionsplan Weser (StAfUA OWL)“, schreibt die BI in ihrer Pressinformation und zitiert den Aktionsplan wie folgt: „Der Katastrophenfall ist vergleichsweise deutlich verheerender: die gesamte rechte Weserseite im Bogen bis hin zur Landesgrenze wird komplett überflutet, wovon die gesamte Ortslage, das ehemalige Kraftwerksgelände und die Campingplätze betroffen sind.“
Die Bürgerinitiative fordert, das Standortfindungsverfahren auf Null zu setzten und naturräumliche Gefahren angemessen zu berücksichtigen.
Dr. Frank Woesthoff Bundeskuratorium Nabu) unterstütze die Aktion der BI Bördeland. Er zog die Sinnhaftigkeit eines Bereitstellungslagers für den Schacht Konrad in Zweifel, da das Endlager längst nicht mehr dem Stand von Wissenschaft und Technik entspreche. „Kein Logistiker käme außerdem auf die Idee ein Logistiklager hier in Würgassen zu errichten“, erklärte Woesthoff und meinte, dass man wohl mit der Lage in drei Ländern von wenig Widerstand ausgehen würde.