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Warnstreik-Welle der Gebäudereiniger trifft Beverungen

Für gerechte Lohn- und Urlaubszusagen

Von Peter Vössing
Beverungen - Mit einer Arbeitsniederlegung und mit lautstarkem Protest setzten sich jetzt auch in Beverungen Gebäude- und Glasreiniger/-innen für feste tarifliche Lohn- und Urlaubszusagen ein.

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Unterstützung erhielten die Streikenden von Seminarteilnehmern im IG-Metall Bildungszentrum in Drenke. Mit Trillerpfeifen und Tröten zogen sie über das Gelände auf der Elisenhöhe.

© Foto: Vössing

Sie waren damit Teil eines Warnstreiks in der Gebäudereinigungsbranche, der am Mittwoch und Donnerstag stattfand. Bundesweit kam es in ganz unterschiedlichen Gebäuden und Einrichtungen zu einer 48-stündigen Streikwelle. Aufgerufen dazu hatte die Gebäudereiniger-Gewerkschaft IG BAU. Sie reagiert damit auf die Kündigung des Rahmentarifvertrags durch die Arbeitgeber der Reinigungsbranche.
"Der Rahmentarifvertrag vom Juni 2011 sollte eigentlich, wie üblich, eine Überarbeitung bekommen", erklärte Gianpaolo Mosca Gewerkschaftssekretär der Region Westfalen der IG Bauen-Agrar-Umwelt. Jedoch habe das Angebot der Arbeitgeber massive Verschlechterungen beinhaltet. So solle es künftig eine 7-Tage-Woche geben, Zuschläge von 200 auf 75 Prozent gekürzt werden und Teilzeitbeschäftigte keinen Anspruch auf Überstundenzuschläge erhalten. Gesellen sollen erst ab 2020 von ihrer Ausbildung profitieren (Lohngruppeneinstufung). Des Weiteren wird von den Arbeitgebern eine Regelung der Rufbereitschaft abgelehnt. Auch das Weihnachtsgeld, das ja als eine Wertschätzung der Arbeitnehmer zu sehen sei, wird im Angebot der Arbeitgeber abgelehnt.

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Gewerkschaftssekretär Gianpaolo Mosca im Gespräch mit Seminarteilnehmern, die ihre Solidarität zu den Streikenden bekundeten.

© Foto: Vössing


„Die Unternehmen starten den Versuch, den Lohn zu drücken. Und das insbesondere bei denen, die ohnehin auf jeden Euro achten müssen: bei Teilzeitkräften und Mini-Jobbern. Von ihnen verlangen die Arbeitgeber, dass sie eine Überstunde nach der anderen machen. Einen Zuschlag von 25 Prozent für die Mehrarbeit wollen sie aber nicht bezahlen. Viele Arbeitgeber versuchen, ihre Beschäftigten mit teilweise unglaublichen Methoden dazu zu überreden, geänderte Arbeitsverträge zu unterschreiben. Es geht um massive Abstriche bei Lohn, Urlaub und Weihnachtsgeld“, erläuterte Gianpaolo Mosca, Gewerkschaftssekretär der Region Westfalen.
Nachdem das Bundesarbeitsgericht in einem aktuellen Urteil entschieden habe, dass auch Teilzeitkräften der Überstundenzuschlag zustehe, hätten die Arbeitgeber kurzerhand den Rahmentarifvertrag Ende Juli platzen lassen. „Zahlreiche Beschäftigte in diesem Niedriglohnbereich sind Frauen, viele alleinerziehende Mütter. Da ist die Altersarmut so gut wie vorprogrammiert. Auch im Hinblick auf den Fachkräftemangel ist eine Attraktivierung der Branche notwendig“, erläuterte Mosca weiter.
In OWL sind ca. 19.700 Menschen als Gebäudereiniger beschäftigt. In Paderborn arbeiten ca. 3530 Menschen und im Kreis Höxter ca. 730 Menschen in dieser Branche (Quelle: Bundesagentur für Arbeit). Ca. 70 Prozent der Arbeitnehmer arbeiten im Rahmen einer geringfügigen Beschäftigung in der Gebäude- und Glasreinigung.
22 Reinigungskräfte in zwei Reinigungsbetrieben des Kreises Höxter legten ihre Arbeit nieder, um die Tarifforderungen der Gewerkschaft zu bekräftigen. Unterstützung erhielten die Streikenden von den Seminarteilnehmern im IG Metall Bildungszentrum. Sie zogen mit Bannern und Trillerpfeife mit den Streikenden über das Gelände der Elisenhöhe. Symbolisch wurde ein Sarg mitgetragen. Man will damit zeigen, dass der Rahmentarifvertrag in dieser Branche zu Grabe getragen wird.
Am Montag (30. September 2019) setzen die Tarifparteien ihre Verhandlungen fort. Mit dem Warnstreik in Beverungen will die IG BAU den Druck auf den Bundesinnungsverband des Gebäudereiniger-Handwerks in der dann bereits sechsten Verhandlungsrunde erhöhen. Sollte auch die ohne Ergebnis bleiben, steuert die Branche auf einen massiven Arbeitskampf zu.

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