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Neue Ausstellung eröffnet

Französisches Kunsthandwerk

Von Barbara Siebrecht
Dalhausen – Körbe mit und ohne Deckel, Brotkörbchen mit Malereine, Puppenkörbchen, Nähkörbchen, Anglerkörbe, Katzenkörbe und vieles mehr, sind ab sofort bis zum 10. September 2017 im Korbmachermuseum zu bewundern. Das Besondere an diesen Körben, die alle über 100 Jahre alt sind, ist ihr äußert filigranes Geflecht, das den Werkstücken eine außergewöhnliche Anmut verleiht. Der Korbflechter André Chapuis zeigt 322 seiner 1200 Stücke umfassenden Sammlung historischer Körbe aus seiner Heimat im Norden Frankreichs an der Grenze zu Belgien.

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André Chapuis sammelt und restauriert Flechtwaren aus seiner Heimat und stellt seine Stücke im Korbmachermuseum aus.

© Foto: Siebrecht

Die Ausstellung der Werkstücke aus Weidengeflecht wird bereichert durch großformatige Reproduktionen von historischen Postkarten, die Menschen der Region in ihren Alltags- oder Festtagstrachten jeweils mit einem der typischen Körbe zeigen. Diese Banner wurden für die Ausstellung in Lichtenfels, dem Sitz der staatlichen Berufsfachschule für Flechtwerkgestaltung gefertigt und von Manfred Rau, dem Projektleiter des Zentrums europäischer Flechtkultur zur Verfügung gestellt.

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Liebevoll umflochtene Flaschen und Behälter finden sich in dem historischen Picknickkorb, der sicher schon damals wertgeschätzt wurde.

© Foto: Siebrecht


Zur Ausstellungseröffnung war der Sammler und Kunsthandwerker André Chapuis selber anwesend und erklärte in französischer Sprache: „Ich bin glücklich, ihnen dieses Kulturerbe präsentieren zu können“. Seine Nachbarin, eine gebürtige Krefelderin übersetzte die Worte des passionierten Flechthandwerkers, der selbst Kurse in Feinflechttechnik gibt. Für die Feinflechterei müssen die Weidenäste mehrfach gespalten und gehobelt werden. Diese vorbereitende Arbeit nimmt viel Zeit in Anspruch. So muss an einem Einkaufskorb mit Deckel etwa fünf Wochen gearbeitet werden.
André Chapuis erlernte das Korbflechten als Hobby und Ausgleich zu seinem Beruf als Erzieher und Leiter eines Wohnheims für schwer erziehbare Jugendliche. Da das traditionelle Feinflechten in Frankreich seit 1953 nicht mehr an der Schule unterrichtet wird, kam er nach Lichtenfels zur Berufsfachschule für Flechtwerkgestaltung und erlernte dort die Techniken, die hier noch ein kleiner Teil der Ausbildung sind. Die historischen Körbe kauft Chapuis auf Flohmärkten oder im Sekond-Hand-Handel auf, reinigt und restauriert sie und bewahrt durch seine Kurse das Wissen des Kunsthandwerks. Die Korbwaren waren zu ihrer Entstehungszeit zwischen 1850 und 1950 begehrte und geschätzte Waren und wurden ins Ausland exportiert. Der 77-jährige reiste über 880 km an, um bei der Ausstellungseröffnung dabei zu sein. Seine Sammlerstücke wurden von den Dalhauser Korbflechtern Ursula und Hansgert Butterweck transportiert, die die Ausstellung mit einigen weiteren Helfern auch aufbauten.

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Viele Ausstellungstücke sind aufwendig gearbeitet und verziert und begeistern nicht nur Kenner des Flechthandwerks.

© Foto: Siebrecht


Ein Kurs in Feinflecht-Technik ist Teil der Akademie Flechtsommer in Kooperation mit der Volkshochschule. Die Niederländerin Esmé Hofman, die als einzige noch das Feinflechten professionell betreibt, gibt ihr Wissen in einem fünftägigen Kurs weiter. Die Teilnahme ist noch möglich. Der Kurs beginnt am Montag, dem 14.8. bis Freitag, 18.8., jeweils 10 bis 16 Uhr und kostet 350 Euro (inkl. Materialkosten).

 

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