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Neubau der Weserbrücke geht gut voran

Erstes Brückenteilstück verschoben

Von Peter Vössing
Beverungen - Langsam setzt sich der Brückenkolloss mit ca. 500 Tonnen Gewicht in Bewegung. Lautes Knacken zeugt davon, dass beide Brückenbögen sich auf den Weg nach Niedersachsen machen. Angespannte Stimmung herrscht unter den Bauarbeitern der Arge, bestehend aus den Firmen Echterhoff und Schachtbau Nordhausen.

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Das erste Brückenteilstück wurde jetzt in Richtung Lauenförde verschoben.

© Foto:Vössing

Nachdem der erste Bauabschnitt - die Bauarbeiter reden vom Verschiebetakt - des Ersatzbauwerkes der Weserbrücke zwischen Beverungen und Lauenförde fertiggestellt wurde, was die Stahlbauarbeiten angeht, wurde jetzt das Teilstück mit einer Verschubanlage auf die Reise in Richtung Lauenförde gebracht. Eigentlich ist der Begriff Verschub falsch, wird doch das Bauwerk mit Hilfe von armdicken Gewindestangen, die am Brückenanfang auf der Beverunger Seite befestigt wurden, gezogen. Mit einer Kraft von ca. 500 Kilo-Newton (ca. 50 Tonnen) wurde das Brückensegment, bestehend aus zwei Bögen und Längs- sowie Querträger aus der Taktfertigungsanlage herausgezogen.

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Ein Verschieblager mit einer Verschubanlage, bei der mittels Gewindestangen das Bauwerk aus der Taktfertigungsanlage herausgezogen wird.

© Foto: Vössing


An der Spitze des Bauwerks weist der massige Vorbauschnabel, der die Auskragung des teilfertigen Bauwerks vermindert und für ein korrektes Manövrieren auf das nächste Verschiebelager wichtig ist, den Weg zum Ziel.
Männer stehen an den sogenannten Verschiebelagern, auf denen das Bauwerk weiterrutscht und schieben immer wieder Teflonplatten als Gleithilfe zwischen Brückenlängsträger und Verschiebelager. Alle 75 Zentimeter muss die Fahrt stoppen, denn dann müssen die Pressen an den Gewindestangen nachfassen.
Einen halben Tag hat es gedauert, bis das Bauwerk aus der Taktfertigungsanlage „herausgezogen“ war.

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Ein Bauarbeiter steckt als Gleithilfe Teflonplatten zwischen Verschiebelager und Brückenlängsträger.

© Foto: Vössing


Jetzt kann mit den Arbeiten zum nächsten Takt begonnen werden. Wenn dieser fertiggestellt ist, wird das nächste Stück mit dem Bogenstück zusammen herausgezogen. Bis dann die komplette Brücke in Takten angebaut und bis zur anderen Seite gezogen wurde. Insgesamt 4 weitere Takte müssen noch auf der Baustelle zusammengefügt werden. Die einzelnen Bauteile werden in der großen Fertigungshalle der Firma in Nordhausen vorgefertigt und mit Lkw nach Beverungen gebracht. Das Taktschiebeverfahren hat den großen Vorteil, dass die einzelnen Brückenbauteile auf einer Fläche montiert werden können und man nicht mit der Baustelleneinrichtung an der Brücke entlang wandern muss.

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Der massige Vorbauschnabel weist den Weg in Richtung Niedersachsen.

© Foto: Vössing


Nach dem ersten Verschub stehen schon die Lkw mit den nächsten Bauteilen in Nordhausen parat. In Beverungen angekommen, werden die Träger positioniert, verschweißt und beschichtet. Währenddessen beginnt die Firma Echterhoff mit den Schalarbeiten für die Beton-Fahrbahnplatte. Wenn das Bauwerk in Lauenförde angekommen ist, wird die Fahrbahnplatte in zwei Bauabschnitten bewehrt und betoniert. Dann wird der nichtmotorisierte Verkehr über das neue Bauwerk geleitet und der Abriss der alten Brücke mit den Unterbauten beginnt. Wenn die neuen Stützen und Brückenwiderlager fertig sind, kommt der Querverschub des neuen Bauwerks in seine endgültige Lage. Nachdem alle Arbeiten - Fahrbahnbelag, Brückengeländer und Beleuchtung - fertiggestellt sind, kann die Brücke für den Verkehr endgültig freigegeben werden.
Im Rahmen einer öffentlichen Veranstaltung wurden jetzt sämtliche notwendigen Bauabschnitte mit aufwändigen Computeranimationen vorgestellt. Ca. 120 interessierte Beverunger und Lauenförder Bürger waren zu dieser Veranstaltung in die Stadthalle gekommen.

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Günther Funke erklärt anhand eines Modells den Verschiebvorgang. Neben ihm sitzt Matthias Apel von der Firma Schachtbau Nordhausen.

© Foto: Vössing


Von der Firma Echterhoff übernahm Günther Funke den Part, über die einzelnen Bauabläufe zu informieren. Zuvor hatte Bürgermeister Hubertus Grimm schon die frohe Botschaft für die Karnevalisten verkündet, dass der Rosenmontagszug 2019 noch einmal über die alte Brücke inklusive Prunkwagen fahren kann. Danach im Frühjahr werde diese dann für den Abriss und die anschließenden Bauarbeiten an den neuen Pfeilern für den motorisierten Verkehr gesperrt. Die Lkw und Pkw müssen dann wohl den Umweg über die Brücke bei Würgassen in Kauf nehmen. Im Frühjahr bzw. frühen Sommer muss dann auch die neue Brücke, die während der Abrissarbeiten als Querungshilfe für Radfahrer und Fußgänger dient, für ca. zwei Wochen gesperrt werden, wenn der Querverschub und der Endausbau stattfinden soll. Danach ist dann ein großes Brückenfest für das neue Bauwerk, das optisch bis auf die fehlenden Querträger dem alten Bauwerk gleicht, zur Eröffnung geplant. Der Brückenüberbau wird dann etwas breiter sein, da die Brückenbögen jetzt komplett außerhalb der Fahrbahnplatte liegen.

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Ca. 120 interessierte Bürger bei der Informationsveranstaltung in der Stadthalle.

© Foto: Vössing


Hier noch einige interessante Zahlen zum Bauwerk: Für die ca. einjährige Planung wurden von den ca. 30 Ingenieuren und Zeichnern 800 Zeichnungen und 20 Ordner Statik angefertigt. Das neuen Bauwerk wird aus ca. 1000 Tonnen Stahl hergestellt. Dabei werden 2.800 Kubikmeter Beton mit ungefähr 500 Tonnen Betonstahl verbaut. Insgesamt wurden und werden 8.600 Quadratmeter Spundwände eingebracht bzw. 10.000 Kubikmeter Erde bewegt.

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