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„Die Glasmenagerie“

Enttäuschte Hoffnungen

Von Barbara Siebrecht

Beverungen – Der Ruf der Schauspielerfamilie eilte ihnen voraus und lockte für ein Theaterstück ungewöhnlich viel Publikum in die Beverunger Stadthalle. Auf Einladung der Kulturgemeinschaft gastierten Mutter Anna und Tochter Nellie Thalbach in den weiblichen Hauptrollen der „Glasmenagerie“ von Tennessee Williams in Beverungen. Bei dieser Fassung des bekannten Dramas der „Komödie am Kurfürstendamm“ führte Katharina Thalbach die Regie.

Leider durfte die regionale Presse auf Anweisung des Ensembles keine Fotos zur Illustration des Berichts anfertigen.

Die Glasmenagerie entführt ins Amerika der 1930er Jahre nach St. Louis. Amandas Wingfield lebt mit ihren erwachsenen Kindern in ärmlichen Verhältnissen. Der Vater, ihre große Liebe, hat sie schon vor langer Zeit verlassen und ist doch in dem Portraitbild und den von ihm zurückgelassenen Platten immer noch gegenwärtig. Sohn Tom ernährt die Familie mit seinem Job in einer Lagerhalle und träumt von Abenteuern bei der Handelsmarine. Tochter Laura ist leicht körperbehindert, extrem scheu und scheiterte durch ihre Minderwertigkeitskomplexe in der Schule und Berufsausbildung. Amanda, die der Tochter von ihren Verehrer ihrer Jugendzeit und der gesellschaftlichen Stellung vorschwärmt, sieht ihre letzte Hoffnung darin, für Laura einen möglichst vermögenden Ehemann zu finden und die Tochter versorgt zu wissen. Rettung scheint in Jim, Toms großmäuligem Arbeitskollegen nahe, der sich bei einer Abendeinladung im Hause der Wingfields in Laura verlieben soll.
Tom Wingfield, großartig verkörpert von Louis Held, bestritt gleichzeitig die Rahmenhandlung als Erzähler seiner Familiengeschichte. Spannungsreich lieferte er sich Wortgefechte mit Mutter Amanda, die seine Ausflüge ins Nachtleben anprangerte und sich sorgte, auch von ihm verlassen zu werden. Anna Thalbach als Amanda trug das Stück mit ihrer Energie und ihrem eindringlichen, lebendigen Spiel. Nellie Thalbach stellte wunderbar die Verwandlung Lauras dar, die durch den zarten Zuspruch Jims (Sven Scheele) wie befreit scheint, zu hinken vergisst, lächelt… Doch dann kommt unausweichlich die Katastrophe; Jim gesteht seine baldige Heirat und Laura ist sofort wieder zurück in ihrem Schneckenhaus des Selbstzweifels und der Zerknirschung mit gesenktem Blick und schlurfendem Schritt. Tom löst sich daraufhin von der Familie und fährt zur See. Das Schicksal der beiden Frauen lässt Tennessee Williams offen.
Die großartige, schauspielerische Leistung in dem Stück, das auch durch die historisch passenden Kostüme und Bühnenbild stimmig war, belohnte das Beverunger Publikum mit lange anhaltendem, rhythmischen Klatschen.

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