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Beverunger verbrachte die letzten 10 Monate in New York

Denkwürdige Monate im Big Apple

Von Peter Vössing
New York/Beverungen – Das hätte sich Andreas Peter in seinen kühnsten Träumen nicht ausdenken können, was sein Aufenthalt in New York an extremen Erfahrungen mit sich bringen würde. 10 Monate war der Beverunger, der als technischer Hausmeister beim Auswärtigen Amt arbeitet, auf Dienstreise in den Vereinigten Staaten.

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Andreas Peter bei seinem Lauftraining durch die menschenleeren Straßenschluchten New Yorks.

© Foto: Andreas Peter

Im New Yorker Generalkonsulat, das im gleichen Gebäude wie die Ständige Vertretung der Bundesrepublik Deutschland bei den Vereinten Nationen untergebracht ist, war sein Arbeitsplatz. Hier sollte der gelernte Elektroinstallateur bei umfangreichen Installationsarbeiten mithelfen.
Untergebracht war er in einem 55 Quadratmeter großen Appartement in Manhattan, 10 Minuten Fußmarsch von den Vereinten Nationen entfernt. Natürlich freute sich Andreas Peter bei seiner Abreise auf eine interessante Zeit in der Millionenmetropole. Er nutzte die erste Zeit, seine neue Heimat kennenzulernen. Er machte Ausflüge, erkundete seinen Stadtteil und genoss das Leben in der pulsierenden Stadt. Besuchern aus der Heimat zeigte er sein neues Zuhause.
Doch dann nahm das Unheil seinen Lauf. Im TV und im Internet gab es die ersten Meldungen von dem neuen Virus in Wuhan, das sich schnell ausbreitete. Erste Fälle wurden in Chinatown bekannt. In der Bevölkerung wurde das Misstrauen gegenüber asiatisch aussehenden Menschen immer größer. Der Verkauf von Handfeuerwaffen schnellte in die Höhe, denn die „Asiaten“ wollten gegen Übergriff gewappnet sein.

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Die New York City Subway zu Corona-Zeiten.

© Foto: Andreas Peter


Corona breitete sich immer weiter aus. Niemals hätte Andreas Peter gedacht, dass die Epidemie New York so sehr erschüttern würde. Sein Arbeitgeber, das Konsulat, wurde von Andrew Cuomo, dem Gouverneur des Staates New York, von Bill de Blasio, dem Bürgermeister der Stadt New York sowie aus Berlin auf dem Laufenden gehalten. Regelmäßig wurden die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter über weitere Sicherheitsmaßnahmen informiert. Zunächst konnten seine Kolleginnen und Kollegen, wie in Deutschland geschehen, ins Home-Office gehen, aber Andreas Peter war an seinem Arbeitsplatz unabkömmlich. Die Anzahl der an Covid-19 erkrankten Menschen und auch die Zahl der Todesopfer schnellte von Tag zu Tag in die Höhe.
Das Leben in New York wurde immer weiter heruntergefahren. Mittlerweile führte New Yorks Bürgermeister de Blasio eine Maskenpflicht ein. „Wenn man das Haus verließ, musste eine Maske getragen werden. Die Bevölkerung achtete penibel auf das Gebot. Maskenmuffel wurden energisch darauf aufmerksam gemacht. Gegen Ende März startete auch in New York der Lockdown. Die Bevölkerung begann mit Panikkäufen. Auf der Liste standen wie in Deutschland Nudeln, Babynahrung, Brot, und vor allem Toilettenpapier“, erklärte der Beverunger, der nach Feierabend immer wieder vor leeren Regalen stand.

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Corona machte New York zur Geisterstadt (hier der verlassene „Times Square“).

© Foto: Andreas Peter


„Es ist sogar zu Ausschreitungen in Supermärkten gekommen, sodass sich die Stadtverwaltung sich gezwungen sah, Lieferfahrzeuge für Supermärkte mit Geleitschutz zu versehen“, erzählte Andreas Peter. Der Techniker konnte seine Wohnung kaum noch verlassen. Bei einem Gang durch Manhattan fielen ihm die Kühlcontainer hinter den Krankenhäusern auf. Hier wurden die Opfer der Pandemie gelagert. Der 49-Jähriger fühlte sich äußerst unwohl. Er malte sich aus, was wohl passieren würde, wenn die Krankheit ihn erwischen und eine Einweisung ins Krankenhaus nötig werden würde. Eine amerikanische Krankenversicherung besaß er nicht. Er hätte dann erst einmal aus eigener Tasche bezahlen müssen und sich im Anschluss das Geld von seiner deutschen Krankenversicherung zurückholen können. Das hätte in dem Moment aber sein Budget überschritten. Er machte seine Chefin darauf aufmerksam. Die gab ihren Mitarbeitern dann ein Schreiben mit, dass das Konsulat für die Kosten in Vorleistung gehe.
Andreas Peter ist ein leidenschaftlicher Läufer. Mit Mundschutz drehte er wacker seine Runden durch die Geisterstadt und den menschenleeren Central Park. Was sonst schier unmöglich schien, war jetzt zu machen, nämlich mitten über die Hauptverkehrsstraßen in Längsrichtung zu joggen. Auch dabei musste er immer eine Maske aufsetzen.

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„Black Lives Matter“-Demonstration in Manhattan.

© Foto: Andreas Peter


Es folgte nach dem Tod von George Floyd ein besonders heißer Juni. Demonstrationen und Unruhen unter dem Motto „Black Lives Matter“ flammten auf. Natürlich war auch die Millionenstadt an der Ostküste davon betroffen. Andreas Peter konnte die Demonstrationen hautnah miterleben, zogen sie doch direkt am Fenster seiner Manhattener Wohnung vorbei. „Es waren teilweise heikele Situationen. Nachdem ich Meldungen von Schüssen hörte, zog ich mich noch mehr in meine Wohnung zurück. Nach einsetzender Dunkelheit bin ich nur noch selten aus dem Haus gegangen“, erläuterte der Beverunger.
Wenn Andreas Peter sich vor Amerikanern als Deutscher outete, erntete er viel Bewunderung. „Ihr habt in Deutschland vieles richtig gemacht, wenn man die Todesrate bei euch sieht“, erklärten viele Amerikaner.
Im Juli stand dann die Rückreise aus den Staaten für den 49-Jährigen an. Die ersten beiden gebuchten Flüge wurden gecancelt. Erst in den dritten Flieger konnte er einchecken. Als er dann in Deutschland ankam, begab er sich zunächst zu einem Corona-Test, der negativ war.
Zurzeit genießt Andreas Peter seinen Jahresurlaub, dann wird er wieder in Berlin erwartet. Schon jetzt hat er erfahren, dass er demnächst für 6 Monate zum Generalkonsulat nach Chicago reisen soll. Allerdings steht davor im Moment noch ein Fragezeichen, ob überhaupt geflogen werden kann. Falls die Dienstreise klappt, wird er jedenfalls hautnah die Wahl des US-Präsidenten erleben und ob Corona dann schon Geschichte sein wird, ist höchst unwahrscheinlich.
Insgesamt infizierten sich in New York City über 233.000 Menschen mit dem Corona Virus. Über 23.500 Menschen starben daran. Erst durch einen Lockdown und die strikte Einhaltung der Verhaltensmaßregeln (Hygiene, Mund-Nase-Bedeckung und mindestens 1,50 Meter Abstand) konnte die weitere Ausbreitung erheblich eingedämmt werden. Dabei half der Zusammenhalt der New Yorker Bürger, die strikt ihre Mitmenschen immer wieder auf die Einhaltung der Regeln hinwiesen und das auch bei den Protestaktionen von „Black Lives Matter“.

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