„Fridays for Future“ auf dem Kellerplatz

Demo-Welle schwappt nach Beverungen über

Von Peter Vössing
Beverungen – Nun ist die Demonstrationswelle der Jugendlichen unter dem Titel „Fridays for Future“ auch in Beverungen angekommen. Erstmals trafen sich ca. 150 Schülerinnen und Schüler am Freitagmorgen auf dem Beverunger Kellerplatz, um ihre Forderungen für mehr Klimaschutz zu unterstreichen.

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Ca. 150 Jugendliche nahmen an der Kundgebung teil.

© Foto: Vössing

Initiiert wurde die Veranstaltung von Jule Tillmann(19) mit Unterstützung von Tim Vollert (Jusos) und Franziska Münster (Grüne Jugend). Die Jugendlichen aus Beverungen, Brakel, Bad Karlshafen und Höxter (Schüler vom 7. bis zum 13. Schuljahr) fordern auf ihren teilweise sehr einfallsreichen und witzig gestalteten Plakaten einen konsequenten Umweltschutz und die Einhaltung des Pariser Klimaabkommens.
Die Demonstrationen, die von Greta Thunberg inspiriert wurden, die seit dem letzten Herbst jeden Freitag vor dem schwedischen Parlament demonstriert, sind nicht ganz unumstritten, denn schließlich wird der Unterricht geschwänzt. Dem setzte die Beverunger Gymnasiastin Jule Tillmann entgegen: „Wir sind nicht hier, weil wir schwänzen wollen. Wir sind hier, weil wir im Unterricht aufgepasst haben“.
Im Vorfeld wurde die Schule natürlich von dem Vorhaben informiert. Diese stand der Veranstaltung wohlwollend gegenüber und hatte kein Interesse, die Schüler für die Teilhabe an einer politischen Veranstaltung zu bestrafen. Die ausgefallenen Stunden werden als unentschuldigte Fehlstunden eingetragen. Benedikt Marpert (Schulleiter des Gymnasiums) sah es allerdings problematisch, weil es keine offizielle Schulveranstaltung war und die Aufsichtspflicht dadurch nicht gewährleistet war. „Es wäre problematisch gewesen, wenn beispielsweise auf dem Weg zum Versammlungsort etwas passiert wäre“, machte Marpert deutlich.
Die Demonstration war ordnungsgemäß angemeldet worden. Polizei und Ordnungsamt hatten ein Auge darauf. Einschreiten musste niemand, denn Schülerinnen und Schüler verhielten sich vorbildlich.
„Es ist so wichtig, dass wir alle hier sind, dass wir etwas tun, anstatt nur zu reden. Die Politik muss endlich ernst nehmen, wovor die Wissenschaft seit Jahren warnt“, machte Jule Tillmann als Rednerin deutlich. „Es darf bei diesen Veranstaltungen nicht im Vordergrund stehen, dass die Schüler den Unterricht schwänzen. Die Jugend ist nicht unpolitisch. Hätte Greta Thunberg auf die Kritik gehört, dann wäre die Bewegung niemals so groß geworden“, machte Franziska Münster deutlich.
„Diese Veranstaltung ist ein Appell an die Politiker, endlich loszulegen. Natürlich muss man auch im Bekanntenkreis für die Sache mobilmachen und mit dem Klimaschutz vor der eigenen Haustür beginnen,“ ergänzte Tim Vollert.
Bürgermeister Hubertus Grimm befürwortete das Engagement der Schüler, die damit auf dem Weg zu mündigen Bürgern wären und verstand es auch, dass man durch das Fernbleiben der Schule mehr Aufmerksamkeit bekäme. „Ich bin mir aber sicher, dass es möglich ist, sich auch innerhalb der Schule mit dem Thema auseinanderzusetzen, das sollten die Organisatoren mit der Schulleitung besprechen. Den Rathausplatz stelle ich gerne auch samstags zur Verfügung“, bemerkte Grimm. Nachhaltig versuche auch die Stadt (LED-Straßenbeleuchtung, Kampf für bessere Busverbindungen) in puncto Klimaschutz zu agieren.
Aus den Reihen der Demonstranten heraus trauten sich mehrere Jugendliche/Kinder ins Mikrofon zu sprechen. Ein Mädchen aus der 9.Klasse vom Gymnasium Beverungen betonte, dass es wichtig sei, demnächst auch zur EU-Wahl zu gehen. Ein 9 jähriger Junge warb für „Ecosia“, eine Internet-Suchmaschine, die aus ihrem Gewinn Baumpflanzungen finanziert und die man statt Google benutzen könne. Auch Mick Meyer hielt eine kleine Rede über Klimaschutz und erwähnte, wie wichtig es sei, die Meere plastikfrei zu halten.
Einige Ratsmitglieder hatten sich ebenfalls auf dem Rathausplatz eingefunden und fanden es bemerkenswert wie engagiert die Jugend doch ist und hatten den Eindruck: „Keine Spur von Politikverdrossenheit.“
Bei dieser Demonstration handele es sich erstmal um eine einmalige Aktion in Beverungen. Eine ähnliche Kundgebung sei aber auch für Höxter geplant, ergänzte Tim Vollert.