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Beverunger NGOs unterstützen, wo sie können

Corona-Pandemie trifft Afrika mit voller Härte

Von Peter Vössing
Beverungen – „Die Corona-Statistiken für die afrikanischen Länder stimmen hinten und vorne nicht“, leitete Dr. Hermann Hunzinger das Treffen dreier NGOs (Nichtregierungsorganisationen) ein, die afrikanische Projekte in Äthiopien, Nigeria und Äquatorialguinea unterstützen.

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Sie helfen, wo sie können: (v.l.) Reiner Kempe, Burkhard Flöter, Christine Sota-Hunzinger mit Tochter Sulé (2), Dr Hermann Hunzinger, Martina Osewo mit Tochter Sara und Ehemann Tito Osewo, Bobby Obaseki, Jacob Osewo und Lando T. Eguavoen.

© Foto: Vössing

„Die Sterblichkeitsrate ist sehr hoch. Die Länder befinden sich allesamt im Lockdown, sogar Krankenhäuser sind geschlossen“, unterstrich Hunzinger die angespannte Situation und wurde dabei von Lando T. Eguavon, Tito Osewo, Bobby Obaseki (Edo Community) und Christine Sota-Hunzinger (Malabo-Projekt) sowie Reiner Kempe und Burkhard Flöter (Kinderdorf Awassa) bestätigt, die noch kurz zuvor Kontakte zu ihren Partnern vor Ort in den Hilfsprojekten hatten.
Es wird geschätzt, dass sich die Zahl der Hungernden in Afrika durch Covid-19 zudem um 250 Millionen Menschen erhöhen wird.

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Unterricht im Kinderdorf Awassa.

© Foto: Kinderdorf Awassa.


Da die Transferleistungen der NGOs für die Menschen der sogenannten „Dritten Welt“ sämtliche Ausgaben der staatlichen Entwicklungshilfe übertreffen (Quelle: Al Jazeera; Mai 2020), kommt der lokalen, direkten Hilfe in die betroffenen Gegenden immer größere Bedeutung zu. In Beverungen gibt es Vereine, die sich um die Notsituationen in ihren Projektgebieten kümmern.
Das bekannteste Projekt dürfte sicherlich das äthiopische „Kinderdorf Awassa“, von Dr. Hermann Hunzinger in den 90er Jahren gegründet, sein. Erschüttert von dem Elend äthiopischer Straßenkinder richtete in der Mitte der 1990er Jahre die äthiopische Krankenschwester Sennait Bekele zusammen mit ihrer Schwester Aster Bekele-Dabels in Awassa eine Anlaufstelle für gefährdete Kinder und Jugendliche ein. Unter einer provisorischen Plane versorgten die Schwestern, durch Bürgerkrieg, HIV/Aids oder andere Umstände zu Waisen gewordene Straßenkinder notdürftig mit Speisen, und täglich wurden es mehr.

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Die baufälligen Häuser werden für die Leprakranken von der Edo-Community renoviert.

© Foto: Edo Community


Bei seinen Reisen durch Äthiopien erfuhr der Beverunger Arzt Dr. Hermann Hunzinger von diesem Projekt und entschloss sich, fortan Spendengelder für diese Anlaufstelle in Awassa zu sammeln. Mit der Unterstützung des in Beverungen/ Weserbergland (NRW) angesiedelten Vereins „Dritte Welt und Umwelt e. V.“ gelang es seit 1998, sukzessive die Planung eines Kinderdorfes voranzutreiben.
Ein paar Fakten zur aktuellen Situation in Awassa: Die Lebensmittelpreise haben sich seit dem Corona-Ausbruch mindestens verdoppelt, die ca. 500 betreuten Kinder sind seit zwei Monaten im Lockdown und die in der Gemeinde untergebrachten 100 Kinder dürfen nicht besucht werden. Das Geld reicht hinten und vorne nicht mehr. Offiziell (New York Times) gibt es in Äthiopien nur acht Corona-Tote, aber die persönlichen Berichte (Facebook, Instagram, Skype, Whatsapp etc.) sagen etwas anderes, das gilt auch für Edo (Nigeria) und Malabo (Äquatorialguinea).
Auch in Nigeria ist die Zahl der geschätzten Corona-Opfer wesentlich höher als offiziell bekannt gegeben (ca. 470 Tote). Die Edo-Community e. V. aus Kassel mit Mitgliedern in Beverungen und Bad Karlshafen unterstützt seit 2006 das Lepra-Heim in Ogan, Edo-State, Nigeria.

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Essenspakete für die hungernden Familien in Malabo.

© Foto: Malabo-Projekt


Einer der Initiatoren, Lando T. Eguavon erzählte, wie es begann: Er hatte das Land besucht und war auf die körperbehinderten Menschen mit fehlenden Gliedmaßen aufmerksam geworden, die auf den Straßen dahin vegetierten. Er redete mit den verzweifelten Menschen, die sich nichts anderes wünschten, als etwas Nahrung, ein Dach über dem Kopf und ein Bett zum Schlafen. Völlig schockiert von den Lebensumständen der an Lepra erkrankten Menschen, fasste Lando T. Eguavon den Entschluss, zu helfen.
„Im Rahmen des aktuellen Projektes haben wir eins von sieben Wohnhäusern der leprakranken Heimbewohner saniert. Das Lepraheim in Ogan ist eine staatliche Einrichtung (Hospitals Management Board Edo State of Nigeria P.M.B. 1009, Benin City Specialist Hospital Ossiomo, Ogan) und zum Teil wird es durch die christliche Kirche unterstützt“, erläuterte der Präsident der Edo-Community Kassel das Hilfsprojekt. Derzeit werden im Krankenhaus 145 Patienten stationär behandelt. Weiterhin leben in der Anlage 145 Erwachsene. 68 Frauen, 77 Männer und 105 Kinder. Ein Arzt, 5 Krankenschwestern und 18 weitere Mitarbeiter sind dort beschäftigt. Außerdem sind noch etwa 20 ehrenamtliche Helfer im Einsatz. Auf der Anlage befinden sich sieben Häuser von denen sechs baufällig und zum größten Teil derzeit unbewohnbar sind. Das am geringsten baufällige Haus wurde von dem Verein saniert. Für diese Baumaßnahmen wurden 21300 Euro ausgegeben. Es sind noch weitere sechs Häuser zu sanieren. Da der Zustand dieser Häuser schlechter ist, als der des sanierten Hauses war, werden mehr Mittel notwendig sein. Auch hier hat die gegenwärtige Pandemie die Menschen mit voller Wucht erwischt. Täglich treffen neue Hiobsbotschaften ein. Durch die Schließung der Märkte ist die Versorgung mit Lebensmitteln zusammengebrochen. Die Menschen leiden Hunger. Der Verein ist für jede Spende dankbar.
Noch im Aufbau befindet sich das Hilfsprojekt von Christine Sota-Hunzinger, der Ehefrau von Dr. Hermann Hunzinger. Sie kümmert sich um bedürftige Familien in Malabo, der Hauptstadt Äquatorialguineas auf der Insel Bioko im Golf von Guinea. Die Familien leben unter erbärmlichen Bedingungen und sind wie in vielen Ländern Afrikas Tagelöhnen abhängig. Rasante Preissteigerungen (3 kleine Olivetten-Tomaten) kosten mehr als 3 Euro) erschweren die Lebensbedingungen. Viele Menschen haben nichts mehr zu essen, da das Einkommen der Tagelöhner durch den Corona-Lockdown weggefallen ist. Eine staatliche Hilfe gibt es nicht. Die aus Äquatorialguinea stammende Christine Sota-Hunzinger versucht täglich, den Menschen zu helfen und telefonisch oder über Messengerdienste Nahrungsmittel für die Familien zu besorgen. So hat sie unter anderem ein paar Kleinlaster organisieren können und Kochbananen (Planti) gekauft, um diese an die bedürftigsten Familien verteilen zu lassen. Des Weiteren wurden vollwertige Nahrungspakete zusammengestellt. „Jeden Tag erreichen mich Horrornachrichten über Freunde, die an Covid-19 verstorben sind“, erklärt Sota-Hunzinger traurig. Ihre Hilfsorganisation befindet sich noch im Aufbau. Mittlerweile organisiert sie sich mit Freundinnen aus Berlin, Portugal, Spanien und England, um ihren Landsleuten zu helfen. In Zeiten wie diesen, stellt sich mehr und mehr heraus, wie wichtig moderne Kommunikationsmittel sind, um helfen zu können.
Alle drei Hilfsorganisationen sind auf finanzielle Zuwendungen angewiesen und bitten darum, zu unterstützen.
Die Spendenkonten:
Kinderdorf Awassa (kinderdorf-awassa.org):
Volksbank Höxter / IBAN: DE36 4726 0121 0111 1220 00 (BIC DGPBDE3MXXX)

Edo Community (edocommunitykassel.com):
Volksbank Kassel Göttingen: IBAN: DE15 5209 0000 0015 0594 19 (BIC GENODE51KS1), Paypal: donation@edocommunitykassel.com

Malabo-Hilfe:
Christine Sota-Hunzinger-Semillas
Sparkasse Höxter: IBAN: DE79 4725 1550 0002 6666 59 (BIC WELADED1HXB)

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