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Querverschub der Weserbrücke Beverungen

Bauwerk hat Endposition erreicht

Von Peter Vössing
Beverungen/Lauenförde – „Endlich hat es geklappt“, waren die Verantwortlichen für den Neubau der Brücke über die Weser zwischen Beverungen und Lauenförde von den Baufirmen "Echterhoff" und "Schachtbau Nordhausen" erleichtert, als das Bauwerk am Tag des Verschubs um 17 Uhr seine endgültige Position erreichte.

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Der Querverschub einer solchen Stahlbrücke ist eine ingenieurmäßige Herausforderung, alles muss bis ins Detail ausgeklügelt sein. Der kleinste Fehler ist fatal.

© Foto: Vössing

Zahlreiche Unwägbarkeiten, wie lang anhaltendes Hochwasser und zuletzt die Corona-Pandemie hatten immer wieder zu Verzögerungen geführt.
Nachdem die neue Brücke, die den Fußgängern zur Überquerung der Weser diente, am Montag, 04. Mai 2020, komplett gesperrt wurde, konnten die endgültigen Verschubarbeiten beginnen. Das 4000 Tonnen schwere Bauwerk wurde am Verschubtag mit 6 sogenannten Litzenhebern aus der jetzigen Position auf die 6 neuen Unterbauten (2 Widerlager und 4 Pfeiler) mit einer gesamten Zugkraft von 4000 Kilonewton (ca. 400 Tonnen) gezogen. Die hydraulisch arbeitenden Litzenheber an den Unterbauten zogen mittels hochfester Litzen, wie sie auch bei der Vorspannung von Brücken Einsatz finden, den Brückenüberbau über eine Verschubbahn in die geplante Position.

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Mitarbeiter mussten die Verschubplatten Stück für Stück unter die Gleitschlitten legen.

© Foto: Vössing

Diese Aktion wurde von einer Spezialfirma aus der Schweiz begleitet, die damit sehr viel Erfahrung hat. Langsam ging das Bauwerk mit einer Verschubgeschwindigkeit von etwa 1 – 2 Meter pro Stunde auf die 18 Meter lange Reise flussabwärts. Unter den wichtigen 12 Auflagerpunkten waren sogenannte Schlitten montiert worden, auf denen der Überbau über die Verschubbahn gleiten konntet. Dort, standen Mitarbeiter mit Stahlbleche bereit, auf denen mit Fett behaftete hochfeste gleitfähige Teflonplatten befestigt waren. Diese Platten sorgten dafür, dass die Zugkraft durch die Litzenheber auf ca. 400 Tonnen verringert werden konnte. Stück für Stück wurden die Stahlbleche mit den Teflonplatten unter die Kufen der Schlitten gelegt. An allen 12 Schlitten standen Mitarbeiter mit Stahlplatten bereit und kontrollierten zusätzlich den „Verschiebevorgang“. Sie waren zusätzlich mit Walkie-Talkies ausgestattet und so war ein ständiger Funkkontakt mit der „Leitstelle“ gegeben. Bei kleinsten Unregelmäßigkeiten wurde der Verschubvorgang sofort gestoppt. Immer wieder musste die Lage der Brücke durch Kontrollmessungen geprüft werden. Es war ein Tag, an dem es schlichtweg auf den Millimeter ankam. Am Ende ging alles gut - Ziel erreicht!

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Emsiges Treiben auf den Pfeilern und Widerlagern.

© Foto: Vössing


Für die Fachfirmen „Echterhoff“ und „Schachtbau Nordhausen“ gibt es nun noch genug zu tun. Gleitschlitten und Verschubbahn müssen entfernt, Lager und Fahrbahnübergänge eingebaut und der Fahrbahnbelag aufgebracht werden. Parallel dazu werden die Behelfspfeiler demontiert. Wenn der Brückananschluss hinter den Widerlagern vollendet ist, kann der Verkehr über das neue Bauwerk rollen.
Bis dahin wird die Zuwegung nun wieder angebracht, damit vorab die Fußgänger wieder über die Brücke gehen können. Aufgrund von parallel noch durchzuführenden besagten Arbeiten in den Anschlussbereichen der Weserbrücke werden Umleitungen des fußläufigen Wegs in einem geringen Ausmaß erforderlich. Die Umleitungen werden barrierefrei ausgeführt. In dieser Phase muss an einigen Tagen noch mit kurzzeitigen Sperrungen von ein bis zwei Stunden und entsprechenden Behinderungen gerechnet werden.

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An den 6 Unterbauten sorgten „Litzenheber“ für die nötige Zugkraft.

© Foto: Vössing


Am Freitag, 15. Mai 2020 (ca. 18 Uhr) soll die Sperrung der Brücke aufgehoben werden und Fußgänger können dann wieder das Brückenbauwerk zur Querung der Weser nutzen. Der Baufortschritt nähert sich nun der Ziellinie. Das „Licht am Ende des Tunnels“ scheint immer heller und in nicht allzu ferner Zukunft dürfte dann die neue Brücke freigegeben werden können.

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