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Vollsperrung der Weserbrücke nach Karneval

4000 to. Stahlkoloss wird um 18 Meter verschoben

Von Peter Vössing
Beverungen – Der Baufortschritt an der neuen Weserbrücke zwischen Beverungen und Lauenförde ist unübersehbar. In einem Pressegespräch wurde jetzt über den zeitlichen Rahmen des Querverschubs des Bauwerks und die damit verbundene Vollsperrung informiert.

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Querverschub: (v.l.) Dipl. Ing. Mathias Frie (Bauleiter), Dipl. Ing. Klaus Ostermann (Straßen.NRW), Bürgermeister Hubertus Grimm und Dipl. Ing. Gerd Kade (Bauüberwachung) erläuterten den Querverschub und die Sperrung der Brücke.

© Foto: Vössing

Einen Tag nach Rosenmontag, ab Dienstag, den 25. Februar 2020 (6 Uhr), wird die neue Brücke, die zurzeit noch den Fußgängern zur Überquerung der Weser dient, komplett gesperrt. Die Sperrung soll dann nach ca. 11 Tagen, am 6. März 2020 (gegen Abend) aufgehoben werden und Fußgänger können dann das Brückenbauwerk wieder nutzen. So ist der jetzige Planungsstand. Wetterkapriolen, Hochwasser oder Baufortschritt können den zeitlichen Rahmen zum Vor- oder Nachteil verändern.

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Die Brücke befindet sich noch auf den Behelfspfeilern. Bald soll sie in die endgültige Lage gebracht werden.

© Foto: Vössing


Bei Hochwasser wird die Brücke noch nicht gesperrt. In der Zeit der Vollsperrung (ca. 8 Schultage) soll für die Schülerinnen und Schüler ein Busverkehr eingerichtet werden. Das erklärten Thomas Speer und Thomas Fitz, die beiden Vertreter des RBB Holzminden. Der Bus fährt morgens zur ersten Stunde nach Beverungen und nach der 6. und 8. Stunde wieder zurück. Die Schulen werden über die genauen Zeiten noch informiert.
Ralf Meibohm, Leiter der Abteilung Schule, Ordnung und Soziales bei der Stadt Beverungen, erläuterte auch die Möglichkeiten der Arbeitnehmer in dieser Zeit zu ihrem Arbeitsplatz zu gelangen. Da die Mehrzahl der Pendler mit dem Auto zur Arbeit fahren, sieht er da aber keine großen Probleme. Er wies auf die Möglichkeit hin, mit dem Bus zum Bahnhof Wehrden und von dort mit dem Zug nach Lauenförde zu kommen. Seitens der Stadt Beverungen sei mit den Arbeitgebern im Stadtgebiet Kontakt aufgenommen worden. Einige hatten sogar signalisiert, einen eigenen Pendelverkehr für ihre Arbeitnehmer einzusetzen. Weiterhin ist man seitens der Stadt Beverungen bereit, einen Kleinbus einzusetzen, der morgens um 5 Uhr vom ZOB nach Lauenförde Kirche und von dort um 5.30 Uhr zum Beverunger Industriegebiet fahren soll. Zurück soll es ab 14.15 Uhr von Lauenförde nach Beverungen und ab 14.45 Uhr vom Beverunger Industriegebiet nach Lauenförde gehen.

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Noch laufen die Restarbeiten auf den Brückenpfeilern.

© Foto: Vössing


Hochwasser stellt überhaupt ein Risiko im Bauablauf beim Querverschub der Brücke dar, da die notwenigen Erdarbeiten, die aus statischen Gründen für den Querverschub notwenig sind, nicht gemacht werden können. Dipl. Ing. Klaus Ostermann (Projekt begleitender Ingenieur von Straßen.NRW), Bauleiter Dipl. Ing. Mathias Frie (Fa. Echterhoff) und Dipl. Ing. Gerd Kade (Bauüberwacher/Bauwerksprüfer bei SSF Ingenieure AG für Straßen.NRW) erläuterten die Verschubarbeiten. Wenn alles im Rahmen läuft und das Hochwasser keinen Strich durch die Rechnung macht, soll das Bauwerk am 27. und 28. Februar verschoben werden. Übrigens, übermäßiger Sonnenschein, der dafür sorgen kann, dass sich die Stahlkonstruktion um 300 mm in Längsrichtung ausdehnen kann, kann auch hinderlich sein. Das 4000 Tonnen schwere Bauwerk wird am Verschubtag mit 6 sogenannten Litzenhebern aus der jetzigen Position auf die 6 neuen Unterbauten (2 Widerlager und 4 Pfeiler) mit einer gesamten Zugkraft von 4000 Kilonewton (ca. 400 Tonnen) gezogen. Die hydraulisch arbeitenden Litzenheber an den Unterbauten ziehen mittels Zugstangen den Brückenüberbau über eine Verschubbahn  in die geplante Position. Diese Aktion wird von einer Spezialfirma aus der Schweiz begleitet, die damit sehr viel Erfahrung hat. Die Schwierigkeit besteht dabei in der Synchronität. Kleinste Verkantungen müssen beim Ziehen sofort erkannt und darauf reagiert werden. Eine hochsensible Arbeit, die viel Fingerspitzengefühl verlangt. Die Brücke muss insgesamt eine Strecke von 18 Metern zurücklegen. Die Verschubgeschwindigkeit beträgt in etwa 1-2 Meter pro Stunde. Dabei wird das Bauwerk auf der Lauenförder Seite in Längsrichtung gehalten, um ein Verkanten auszuschließen.  
Wenn der Verschub (eigentlich ist es ein „Verzug“) beendet ist, soll die Zuwegung möglichst schnell wieder angebracht werden, damit die Fußgänger wieder über die Brücke gehen können. Als weitere Brückenbauarbeiten stehen nach dem Verschub der Einbau der Lager, der Fahrbahnübergänge, die Fertigstellung der Kappen, die Hinterfüllung der Widerlager, der Anschluss der Brückenentwässerung und die Aufbringung des Fahrbahnbelages auf dem Programm. Zudem muss natürlich auch der Straßenbau für den Anschluss der Straßen an das Bauwerk sorgen. „Wir rechnen damit, dass das Bauwerk ca. im Juni 2020 mit einem Fest für den Verkehr freigegeben werden kann“, bemerkte Bürgermeister Hubertus Grimm abschließend.

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