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„Dieses geile Gefühl, wenn der Döner sich dreht …

Von Marc Otto
Beverungen - … hat das auch der Veganer beim Rasenmähen?“ So Herr Funke, der übers Essen spricht. Wie üblich stellte er die richtigen Fragen zur richtigen Zeit. Storno war mal wieder im Haus, selbiges bis zum Bersten gefüllt, und das vergangene Jahr erhielt seine schonungslose Abrechnung.

Storno ist ein Kabarettisten-Trio, bestehend aus Thomas Philipzen, Harald Funke und Jochen Rüther. Seit nunmehr 15 Jahren sind diese drei Herren nun schon mit ihrem Programm in Nordrheinwestfalen unterwegs, in Beverungen sorgen sie seit jeher für einen ausverkauften Saal. Sogar doppelt ausverkauft, denn seit einigen Jahren geben sie gar zwei Vorstellungen hintereinander, mit je 1000 Plätzen, doch selbst das genügt nicht, das Angebot auf Höhe der Nachfrage zu hieven. Storno ist schlicht ein Zuschauermagnet, und sie enttäuschten auch diesmal nicht.
Populisten und E-Scooter, Maut und Tempolimit, Greta Thunberg und Rezo, Trump und Putin, und viele Dinge mehr: Stornos Programm ist stets ein Rundumschlag. Die drei Herren agieren in gewohnter Manier auf der Bühne: Philipzen ist gern der Vorreiter. Er kommt als Spaßmacher daher, verpackt die Dinge gern in schrulligen Anekdoten und Witzen, und absolut geht es nicht ohne die eine oder andere Imitation eines Politikers oder Prominenten. Seine Bühnenpräsenz ist spritzig, spaßig, lebhaft. Sein Kollege Rüther hakt dagegen meist mit kalten, harten Fakten ein. Er ist korrekt und fachbezogen, ernst und grimmig, unbewegt. Man kann ihn wohl als das erdende Element im Trio sehen. Der Blitz, der einschlägt, ist dann Herr Funke. Er macht keine augenzwinkernden Scherze – er sagt bekloppte Dinge frei von der Leber weg, und er meint es mindestens genauso ernst wie der Rüther, dem bei manchen Äußerungen schnell mal das Blech wegzufliegen droht, ehe Philipzen als Mittler einspringt. Oder es zumindest versucht.
Die Welt jedenfalls ist schon recht verrückt. Der Brexit auf der Insel treibt selbst gewisse Mitglieder des Königshauses fort, Boris Johnson und Donald Trump sind mutmaßlich aus „der gleichen Baureihe“, und zwar von Putin entworfen. „Das doppelte Beklopptchen“, so Philipzen.
Vor Putin und dessen Hackerei vermag sich Deutschland übrigens nur zu retten, indem es Selbstsabotage betreibt: Das Internet hierzulande ist schlicht zu schlecht.
Zum Thema Populismus weiß Rüther zu sagen: „Der Populist ist per Definition ein Pöbler, und er hängt seine Fahne in den Wind, den er selber macht.“
Für Funke steht nicht erst seit gestern fest, dass es Zeit für eine Monarchie wird. Das Volk will „Angie“ als Kaiserin. Er selbst würde sich jederzeit als Double anbieten.
Die Persönlichkeit des Jahres 2019 ist Greta Thunberg.
„Ja, haben Sie das gesehen, in Davos“, so Funke mit aufgelöster Gestik, „Dieses wütende Kind? Haben Sie das gesehen? - Und nach Trump, ja, dann kam die Greta.“ Mit ihren Fakten versaut sie die ganze Stimmung. Ist sie womöglich Rüthers Tochter, vermutet Philipzen.
Beim Thema Umweltschutz findet auch Söder Erwähnung, er ist wohl der neue Vorsitzende der Grünen. Er rettete jede Biene Bayerns höchstpersönlich, mit Herzdruckmassage und Rüsselbeatmung.
Verkehrsminister brachte uns indes den E-Scooter. „Ein reines Spaßvehikel“, urteilte Rüther mit gnadenlosem Naserümpfen. In Panik versetzt der E-Verkehr dagegen Funke: „Wenn der Verkehr E wird, dann sterben wir alle. Du hörst ja niemanden mehr kommen! Es ist der lautlose Tod.“ Helfen könnten nur Rauchzeichen, aus E-Zigaretten.
So schlecht steht Deutschland aber eigentlich auch gar nicht da, finden die Drei. Immerhin habe man in der Hauptstadt einen CO2-freien Flughafen. Welches Land könne das sonst von sich behaupten?
So ging es mit gepfefferten Nackenschlägen durch das Jahr, vom Super- und Clean-Food über die Gorch Fock und ihren militärischen Wert gegen chinesische Tarnkappenbomber, über den Beraterbefall bei der Bundeswehr und Maria 2.0 bis hin zum 50. Jubiläum der Sesamstraße.
Am Ende gabs wieder Hochkultur. Orpheus in der Unterwelt sollte es sein, selbstredend mit politischen Persönlichkeiten besetzt. Funke will in seine Paraderolle springen, doch Rüther, stets der Orchestrator des letzten Teils, fährt ihm rein: „Nein! Sie spielen AKK!“ Er selbst will mit Friedrich März den Totengott Pluto verkörpern, und er singt sogar eine Arie. Hinter ihm zerfällt die Hochkultur aber eh, während Philipzen sich noch mit der Rolle als Olaf Scholz (als Orpheus) auseinandersetzen soll. Denn Funke erscheint mit Darth Vader-Maske – Kramp-Karrenbauer als dunkle Seite der Macht. Doch nein! Unter der Maske trägt er doch die Angie-Perücke.
Es ist der Klamauk, es ist der Wortwitz, es ist das Zusammenspiel des Trios, was diese Vorstellungen so unbezahlbar gut macht. Die Mischung macht es einfach, zusammen mit der großartigen Chemie der drei Kabarettisten, welche sogar dann am besten scheint, wenn es auf der Bühne mal nicht ganz glatt läuft. Etwa wenn eine Gitarre nochmal schnell gestimmt werden muss.
„Müssen wir etwa andere Saiten aufziehen?“, fragt etwa Funke, während Philipzen noch rasch Hand an sein Instrument legen muss.
Storno ist immer wieder ein Erlebnis. Der Vorverkauf für das nächste Jahr hat natürlich bereits begonnen.

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