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Interview mit Star-Pianist Joja Wendt, der am 7. November in Beverungen ein Konzert gibt

„Die Leute bekommen eine Menge geboten“

Von Peter Vössing
Beverungen - Der Star-Pianist Joja Wendt ist bei seiner Deutschlandtour „Stars on 88“ am 7. November 2018 um 20 Uhr zu Gast in der Stadthalle Beverungen. Im Vorfeld sprach die Beverunger Rundschau mit dem Künstler, der in den größten Konzerthäusern der Welt schon sein Können unter Beweis stellte.

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Joja Wendt, der Formel1-Mann auf den Tasten.

© Foto: Christian Barz


Beverunger Rundschau: Herr Wendt, sind Sie zum ersten Mal zu Gast im Weserbergland? Kennen Sie die Region?
Joja Wendt: Da Beverungen ja in der Mitte zwischen Göttingen, Paderborn und Kassel liegt, ist das eine Gegend, durch die man nicht direkt fährt, es sei denn, man besucht dort Freunde oder Familie. Ich war schon einmal in Bad Pyrmont und habe einen befreundeten Pastor in Holzminden. Aber in Beverungen selber war ich noch nicht. Umso mehr freue ich mich darauf, die Menschen kennenzulernen.

Beverunger Rundschau: Sie haben sich schon als Kind für das Klavierspielen entschieden. Das dürfte schwierig in einem Elternhaus mit 8 Geschwistern gewesen sein. Gab es oft Reibereien?

Joja Wendt: Meine zweieinhalb Jahre ältere Schwester hatte damals mit sechseinhalb Jahren Klavierunterricht. Als Vierjähriger habe ich sie unheimlich bewundert, wie sie dort am Klavier saß und spielte. Das wollte ich auch unbedingt. So hat alles angefangen. Meine Eltern haben das damals großartig gemacht und vor allem meine Mutter, die klassische Sängerin ist, hat das sehr unterstützt. Ich habe ein blendendes Verhältnis zu meinen Geschwistern. Musik ist ja auch ein Kommunikationsmittel und jeder hat seinen eigenen Musikgeschmack, der eine hört Hardrock und der andere Singersongwriter. Man bekam da eine Menge mit. Vielleicht liegt es daran, dass mein Musikgeschmack so weit gefächert ist.

Beverunger Rundschau: Haben sie ihr Talent an ihre beiden Kinder vererbt?

Joja Wendt: Das Talent bestimmt, aber ob sie etwas daraus machen? Ich wurde ja auch damals völlig frei gelassen. Es gab keine Eislaufeltern, die gesagt haben, du musst das jetzt machen. Ich bin sozusagen meinem inneren Ruf gefolgt. Da war das eine natürliche Sache. Meine Tochter hat jetzt Abitur gemacht und mein Sohn geht noch zur Schule. Die wissen noch nicht, was sie beruflich machen wollen. Etwas mit Musik wird es hoffentlich nicht sein (lächeln).

Beverunger Rundschau: Sie wurden von Joe Cocker entdeckt. Wann war das und wie kam das?

Joja Wendt: Das war ungefähr 1987. Ich habe damals in einer Szene-Kneipe Klavier gespielt. Gäste waren zu der Zeit unter anderem Otto Walkes und Udo Lindenberg. Eines Abends kam Joe Cocker vorbei und hörte mich. Der Zufall wollte es, dass sein Vorprogramm ausgefallen war. Tony Joe White hatte eine Mittelohrentzündung und war abgereist. Er sagte zu mir: Weißt du was, komm doch morgen und spiel für mich. Ich fragte ihn, wie soll das gehen, was soll ich spielen? Er sagte: Vertrau mir, spiel einfach das, was du eben gespielt hast. Da habe ich das erste Mal vor tausenden von Leuten gespielt. Anschließend hat er mich auf deutschlandweite Tour mitgenommen.

Beverunger Rundschau: Würden Sie sich selbst als Klavierjunkie bezeichnen? Können Sie an einem Klavier oder Flügel vorübergehen, ohne ein paar Takte zu spielen?
Joja Wendt: Inzwischen ja, aber es gab eine Zeit, in der ich auf jedem Klavier spielen musste. Es war wie so ein innerer Zwang. Das ist jetzt vorbei, man wird ja auch älter und ruhiger.

Beverunger Rundschau: Sie werden oft als Formel-1-Mann auf den Klaviertasten bezeichnet, der so schnell spielt, dass das menschliche Auge nicht mitkommt. Wie groß ist ihr Übe-Pensum?

Joja Wendt: In meiner Jugend habe ich wahnsinnig viel geübt. Bis man soweit ist, dass man konzertreif spielen kann, dauert es sehr lange. Während meines Studiums bin ich morgens um 8 Uhr aufgestanden und nachts um 2 Uhr erst ins Bett. Damals habe ich nur am Klavier gesessen. Inzwischen ist es so, dass ich mich gezielt auf die Tourneen vorbereite. Man hat einen Grundstock an technischen Fähigkeiten, den man sich als junger Pianist erst einmal erarbeiten muss. Dennoch bin ich heute immer noch einer, der eigentlich jeden Tag spielt und übt. Und das ist auch gut so. Es darf sich keine Lässigkeit einschleichen.

Beverunger Rundschau: Ihr Konzert in Beverungen heißt „Stars on 88“. Was bekommt das Beverunger Publikum zu hören?

Joja Wendt: Es gab früher mal eine Kompilation-Platte, die hieß „Stars on 45“ mit aufbereiteten aktuellen Hits. Ich habe diese Idee zum Anlass genommen, Popstücke auf das Klavier, auf meine 88 Tasten zu bringen, von denen man glaubt, dass es gar nicht möglich ist, diese darauf zu spielen. Zum Beispiel „Thunderstruck“ von AC/DC auf dem Klavier hat es noch nie gegeben. Weiter gibt es die Hits „Shape of you“ von Ed Sheeran und „Thriller“ von Michael Jackson zu hören. Darauf freue ich mich wahnsinnig und das habe ich in der Form bisher noch nicht gemacht. Andererseits sind die kommenden Konzerte eine Hommage an die Stars am Klavier, die Piano-Helden aller Zeiten von Mozart bis Art Tatum. Für mich ist diese Tournee letztendlich eine Art Reise in die eigene Jugend und meine musikalische Sozialisation, die mich mit Klassik, Jazz, aber auch jeder Mende Pop in Berührung brachte.

Beverunger Rundschau:Sie haben angekündigt, dass das Publikum bei ihrem Konzert mit eingebunden wird. Wie muss man sich das vorstellen?

Joja Wendt: Das Publikum haben wir traditionsgemäß immer mit einbezogen. Bei meinen Konzerten gibt es eine Menge Interaktion. Das liegt daran, dass ich in den Jazzclubs und Bars groß geworden bin. Da war man sehr dicht am Publikum, und das versuche ich auch auf die Konzertbühne zu bringen. Ich werde wahrscheinlich mein Programm mit einem berühmten Stück von Leonard Cohen beginnen, es heißt „Hallelujah“. Ich werde dann das Publikum einladen, beim Refrain „Hallo Joja“ zu singen, um mich zu begrüßen.

Beverunger Rundschau: Sehr bekannt ist der Ping-Pong-Song, den sie vor einer halben Milliarde Chinesen gespielt haben. Dabei wird auch schon einmal auf dem Instrument Tischtennis gespielt. Bekommen die Zuschauer in Beverungen ähnliche Showeinlagen geboten?

Joja Wendt: Ich bringe meinen Flügel mit. Der kann sich bewegen, er kann z.B. die Klappe alleine auf und zu machen. Da werden bestimmt solche Dinge passieren. Den Ping-Pong-Song können wir nicht bringen. Dazu braucht es Profi-Tischtennisspieler, die den Rhythmus halten können. Ich will kurz beschreiben, wie es zu dem Song kam: Ich war damals zu Gast bei „Wetten dass…?“ bei Thomas Gottschalk mit einer Klavierwette. Zu Besuch waren ein paar Chinesen, die eine ähnliche Show in China haben. Die haben mich zu ihnen eingeladen. Da habe ich mir etwas Lustiges einfallen lassen. Ich habe meinen Flügel zugeklappt, ein Tischtennis-Netz darauf montiert und zwei chinesische Weltmeister haben den Rhythmus vorgegeben und ich dazu gespielt. Das kam damals wahnsinnig gut an und man lud mich zweimal in die größte Fernsehshow zum chinesischen Neujahrsfest ein.
Die Leute bekommen bei meinem Auftritt in Beverungen eine Menge geboten. Unter anderem werden wir zusammen singen. Es wird sehr lustig.

Beverunger Rundschau: Vielen Dank Herr Wendt. Wir freuen uns schon auf ihr Konzert in Beverungen.

Tickets sind im Kulturbüro im Service Center Beverungen, Weserstr. 16 (Tel. 0 52 73 / 392 223) sowie in allen bekannten Vorverkaufsstellen erhältlich. Für weitere Informationen ist die Kulturgemeinschaft auch im Internet unter www.kulturgemeinschaft-beverungen.de und auf Facebook zu erreichen.

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