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Präsident verhängt Ausgangssperre und stellt Hauptstadt unter Militärkontrolle

Erste Gespräche zwischen Demonstranten und Regierung in Ecuador am Sonntag

Quito (AFP) - Nach tagelanger Gewalt wollen Indigenen-Vertreter und Regierung in Ecuador einen Ausweg aus der Krise suchen. Für Sonntagnachmittag (22.00 Uhr MESZ) seien erste Gespräche zwischen beiden Seiten in der Hauptstadt Quito geplant, teilten die UNO und die katholische Kirche, die in dem Konflikt vermitteln, am Samstag mit. "Wir vertrauen auf den guten Willen aller, einen Dialog in gutem Glauben zu führen und eine schnelle Lösung für die komplizierte Situation im Land zu finden", hieß es in der Mitteilung.

Die Dachorganisation der Ureinwohner (Conaie) hatte den von Präsident Lenín Moreno geforderten Verhandlungen am Freitag noch eine Absage erteilt. Am Samstag erklärte sie dann, sich nach Beratungen mit ihren Mitgliedern für Gespräche entschieden zu haben. Bei den Ausschreitungen wurden sechs Menschen getötet und fast 2100 weitere verletzt.

Die Indigenen-Organisation steht an der Spitze der Proteste, die das Land seit elf Tagen erschüttern. Die indigene Bevölkerung macht rund ein Viertel der 17,3 Millionen Einwohner des Landes aus.

Am Samstag verwüsteten vermummte Demonstranten in Quito das Gebäude des Rechnungshofes. Wie ein AFP-Fotograf berichtete, griff eine Gruppe von Demonstranten das Gebäude mit Molotowcocktails an, legte Feuer und drang anschließend ins Innere des Gebäudes ein. Die Staatsanwaltschaft gab später bekannt, dass 34 Menschen festgenommen worden seien. Vor dem Sitz der Nationalversammlung errichteten Demonstranten Barrikaden, die Polizei ging mit Tränengas gegen sie vor.

Darüber hinaus wurden der Sitz des Fernsehsenders Teleamazonas und der Zeitung "El Comercio" attackiert, wie die Medien berichteten. "Ungefähr eine halbe Stunde lang wurden wir angegriffen. Sie warfen Steine nach uns, brachen die Türen auf und warfen Molotowcocktails", sagte Milton Pérez, Moderator bei Teleamazonas. 25 Beschäftigte wurden in Sicherheit gebracht, verletzt wurde niemand.

Conaie gab an, an keinem der Angriffe beteiligt gewesen zu sein. Staatschef Moreno verhängte eine Ausgangssperre für die Hauptstadt und umliegende Gegenden. Das Gebiet wurde überdies unter Militärkontrolle gestellt. Mit der Maßnahme solle "die Arbeit der Einsatzkräfte gegen nicht zu tolerierende Gewaltausbrüche erleichtert werden", teilte Moreno im Kurzbotschaftendienst Twitter mit.

In einer Fernsehansprache am Samstag sprach Moreno von einem "traurigen Tag für Ecuador". Er warf seinem in Belgien lebenden Vorgänger Rafael Correa und dem venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro vor, hinter den Unruhen zu stecken und das Land destabilisieren zu wollen.

Moreno hatte bereits am 3. Oktober einen landesweiten Ausnahmezustand verhängt und rund 75.000 Militär- und Polizeikräfte stationiert. Im Umkreis von Regierungsgebäuden in der 2,7-Millionen-Einwohner-Stadt Quito hatte er zudem bereits eine Ausgangssperre verhängt. Der Regierungssitz wurde in die zweitgrößte Stadt des Landes, Guayaquil, verlegt.

Die Unruhen in dem südamerikanischen Land hatten sich an stark gestiegenen Treibstoffpreisen entzündet. Die Demonstranten geben Moreno die Schuld für den Anstieg der Treibstoffpreise, da er im März ein Abkommen mit dem Internationalen Währungsfonds (IWF) abgeschlossen hatte. Ecuador sicherte sich damit milliardenschwere IWF-Kredite. Im Gegenzug wurde Morenos Regierung zur Auflage gemacht, die staatlichen Subventionen für Kraftstoff abzuschaffen.

Das Auswärtige Amt in Berlin riet angesichts der Lage von nicht erforderlichen Reisen nach Ecuador ab. Wer schon vor Ort sei, solle Demonstrationen und größere Menschenansammlungen weiträumig meiden und "unbedingt den Anweisungen der Sicherheitskräfte" folgen.

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