Gründlich schälen reicht meist aus!

Giftige Kartoffelkeime?

Von Barbara Siebrecht
Kartoffeln gehören zu den Nachtschattengewächsen wie auch die Tomaten und sind in unreifem Zustand und ungekocht nicht genießbar. Sie bilden das giftige Solanin nach der Reife erneut, wenn die Knolle dem Licht ausgesetzt ist, warm gelagert wird oder mit dem Neuaustrieb im Frühjahr am Ende ihrer Lagerfähigkeit angekommen ist. Aber muss man gekeimt Kartoffeln deshalb wegwerfen?

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Müssen Kartoffeln mit Keimen weggeworfen werden?

© Foto: Siebrecht

Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) kommt zu der Ansicht, dass Vergiftungsfälle durch Kartoffeln prinzipiell sehr selten gemeldet werden - was aber auch daran liegen könnte, dass die Symptome einer leichten Vergiftung kaum von anderen Erkrankungen zu unterscheiden sind: Kopfschmerzen, Durchfall, Erbrechen, ein Brennen oder Kratzen im Hals hat wahrscheinlich jeder Mensch schon mal erlebt, ohne dabei direkt an Solanin zu denken. Todesfälle seien zumindest aus den letzten 50 Jahren nicht bekannt, so das BfR weiter.
Wissenschaftler haben ausgerechnet, dass ein Mensch drei bis sechs Milligramm Solanin pro Kilogramm Körpergewicht zu sich nehmen müsste, um schlimme Symptome wie Krämpfe, Herzschwäche, Atemnot, eine Atemlähmung oder gar den Tod zu erleiden. Dies entspräche dem Verzehr von etwa 800 Gramm Kartoffeln mit Schale pro Tag für einen Menschen mit 60 kg Körpergewicht und ist sehr unwahrscheinlich.
Solanin kommt bei Kartoffeln vor allem in der Schale, an grünen Stellen und an den Keimansätzen vor. Werden die Kartoffeln also vor dem Kochen großzügig geschält, wird dadurch schon ein Großteil des Solanins entfernt. Die Keime sollten großflächig herausgeschnitten werden. Sind die Keime länger als zehn Zentimeter, sollten die Kartoffel lieber weggeworfen werden, empfiehlt die Verbraucherzentrale Bayern. Ebenso, wenn die Kartoffel mehr grün als braun ist.
Solanin ist hitzebeständig und wird erst bei circa 240 Grad Celsius zersetzt. Kochen macht dem Giftstoff also nichts aus. Demzufolge sollte das Kochwasser von gekeimten Kartoffeln nicht weiterverwendet werden.
Aus Kartoffeln mit langen Keimen kann auch noch etwas wunderbares werden, nämlich einen Kartoffelpflanze, von der man neuen Kartoffeln ernten kann. Für die Anzucht von Kartoffeln auf dem Balkon oder Hof genügt schon ein Eimer mit gelochtem Boden, gefüllt mit Erde und bis zu drei Kartoffeln. Probieren Sie es aus, wie besonders wohlschmeckend selbst geerntete Kartoffeln sind.