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Pflege von Feld- und Wegrändern

Einfach mal etwas Stehenlassen

Kreis Höxter (ozv) - Die Natur hat in diesen Wochen viel zu bieten. Die Brutzeit der Vögel ist noch im Gange und die Altvögel sind mit der Fütterung des Nachwuchses voll beschäftigt. Schmetterlinge haben ihre Eier gezielt auf den Pflanzenarten abgelegt, die den geschlüpften Raupen die beste Nahrungsgrundlage bieten.

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: Mit zunehmend intensiverer landwirtschaftlicher Nutzung steigt auch die Bedeutung von Feld- und Wegränder als ökologische Rückzugsgebiete an. 

© Foto: Frank Grawe

Und die Blüten stellen mit ihrem Nektar- und Pollenangebot eine unersetzliche Nahrungsquelle für Bienen, Falter, Käfer und eine Vielzahl weiterer Insektenarten dar. Diese und viele andere Entwicklungen lassen sich derzeit in Säumen entlang von Straßen sowie an Feld- und Wegrändern beobachten. Dort wollen nicht zuletzt auch die vielen heimischen Wildpflanzen zum Blühen und Fruchten kommen.
Das Fortpflanzungsgeschehen vieler Tier- und Pflanzenarten wird leider durch die in diesen Wochen zu beobachtende Pflegemahd der Säume längs der Felder, Wege und Straßen empfindlich gestört.
Für die aus ökologischer Sicht häufig zu intensiven Pflegeverfahren gibt es zwar gute Gründe, so hat die Verkehrssicherung natürlich Vorrang. Doch bis zu welcher Tiefe müssen Säume entlang von Straßen gemäht werden? Hier reicht ein Meter oft bereits aus. Dass Landwirte die Entwicklung von Störanzeigern, beispielsweise der Acker-Kratzdistel, in ihren Säumen kurzhalten wollen, ist nachvollziehbar, auch um den nachbarschaftlichen Zusammenhalt nicht zu gefährden. Hier reicht ein höherer Schnitt bereits aus, um hochwüchsige Wildkräuter wie Jakobskreuzkraut oder eben die Kratzdistel erfolgreich zu bekämpfen. Gleichzeitig bleibt so ein Minimum an Strukturen und Fluchtmöglichkeiten für Kleintiere bestehen.

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Auch nicht so beliebte Arten wie Brennnesseln besitzen nicht nur als Raupenfutterpflanzen eine hohe ökologische Bedeutung.

© Foto: Burkhard Beinlich


Eine Saumpflege ausschließlich zur Feldreinhaltung sollte in Zeiten des allgemeinen Rückgangs der Artenvielfalt allerdings überholt sein. Das Arten- und hier insbesondere das Insektensterben ist als Thema in der Gesellschaft angekommen. Seit jeher profitieren insbesondere Landwirte von den immensen Leistungen der Insekten, insbesondere bei der Bestäubung von Nutzpflanzen sowie der Zersetzung organischen Materials mit enormem Einfluss auf die Bodenfruchtbarkeit. Landwirte haben auf diese Entwicklung reagiert und Maßnahmen ergriffen, um in der heute intensiv genutzten Feldflur die Artenvielfalt, die sich im Wesentlichen als Nebenprodukte der früheren bäuerlichen Bewirtschaftung entwickelt hat, zu sichern. Dazu gehören Blühstreifen, Stoppelbrachen, Ackerrandstreifen und vieles mehr.
Doch das einfachste und zudem kostengünstigste, was Landwirte und Bauhöfe machen können, ist möglichst viel Aufwuchs an den Straßen- Weg- und Feldrändern stehen zu lassen und die Pflegemahd zeitlich in die Monate ab September zu legen. Hilfreich wären auch das Abräumen des Schnittgutes in den bereits gemähten Abschnitten sowie der jährliche Wechsel der gepflegten Abschnitte.
Die Arten- und Blütenarmut auf großen Teilen des Grünlandes und der Äcker hat zu einer enorm gestiegenen Bedeutung des Begleitgrüns als Rückzugsort für Tiere und Pflanzen geführt. Kleine Änderungen unserer Gewohnheiten in Bezug auf die Pflege der Säume und Raine können somit einen großen Beitrag zum Erhalt der Artenvielfalt entfalten.
Weitere Informationen sowie Kontaktmöglichkeiten befinden sich auf der Webseite der Station unter www.landschaftsstation.de.

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